DIE ZEIT

Totes „Life“

Vor einunddreißig Jahren veröffentlichte der Verleger Henry Luce in seiner Illustrierten Life einen Artikel, den er mit einer heute prophetisch anmutenden Überschrift versah: „The American Century“ – das amerikanische Jahrhundert.

Jetzt eine Mauer aus Papier?

Entspannungspolitik ist und bleibt ein schwieriges Unterfangen. Sobald sie mehr bewirken soll als bloß die Abgrenzung von Herrschafts-Sphären oder die Herstellung besserer Kontakte zwischen den Regierungen, sobald sie, konkret, die verstärkte Begegnung der Menschen anstrebt, stößt sie im Osten auf den Widerstand des Apparats.

Ohne Glanz und Gloria

In Japan bleibt die konservative Liberaldemokratische Partei (LDP) an der Macht, die sie seit Kriegsende ununterbrochen ausgeübt hat.

Euro-Exempel

Die Eurokraten kämpfen für das Lohnfindungsverfahren, das erst im März mühsam erarbeitet worden ist. Es sieht vor, daß die Brüsseler Gehälter jährlich nach einem bestimmten Indes automatisch angehoben werden.

Kein Vorbild

Zum erstenmal in der Geschichte des westdeutschen Fernsehens ist ein Sender von Amts wegen gerügt worden: Die hessische Landesregierung hat als zuständiges Aufsichtsorgan dem ZDF vorgeworfen, sein Magazin-Moderator Gerhard Löwenthal habe in einer Sendung über den Fall des apo-freundlichen niedersächsischen Professors Brückner seine Pflicht zur wahrheitsgetreuen Berichterstattung verletzt.

Zeitspiegel

Trotz der Reiseerschwernisse und Besuchsverbote, die die SED für eine Unzahl sogenannter Geheimnisträger durchsetzen will, haben in West-Berlin die Besucherbüros noch immer mehr Arbeit als die Beschwerdestelle, die beim Landesverwaltungsamt eingerichtet worden ist.

Nixons Verteidigungsminister: Ein Patrizier für das Pentagon

Die von großen Erwartungen begleitete Neubildung des Kabinetts Nixon hat nur wenig spektakuläre Ergebnisse gezeitigt. Lediglich drei neue Männer hat der Präsident in seine Regierungsmannschaft berufen: den Textilfabrikanten Frederick Dent als Handelsminister, den kalifornischen Öl-Kaufmann Claude Brinegar als Verkehrsminister und den bisherigen Unterstaatssekretär im Handelsministerium, James T.

In Bonn drehte sich tagelang das Gerüchtekarussell. Auch an verwirrenden Zwischenspielen fehlte es nicht. Aber zum Schluß war alles halb so aufregend: Die Koalitionspartner einigten sich auf ein Kabinett ohne große Überraschungen.: Willy Brandts zweites Kabinetts-Stück

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wären die Koalitionsverhandlungen über Programm, Personal und Organisation der neuen Bonner Regierung nach dem in der Politik nicht unbekannten Verfahren abgelaufen: Der Berg kreißte, ein Mäuslein wurde geboren.

Das Heft in der Hand

In einem Moment, in dem die Sozialdemokraten damit beschäftigt sind, die Früchte des Wahlsiegs in die Scheuern zu fahren und zu verteilen, hat ihr Vorsitzender den Blick auf einen weitgespannten Horizont gelenkt.

Allende in Moskau: Kein zweites Kuba

Auf der Anreise zertrat er mit ingrimmiger Begeisterung politisches Porzellan made in USA: In Mexiko verurteilte der chilenische Präsident Allende den Versuch "einiger internationaler Konsortien", sich in die inneren Angelegenheiten der Entwicklungsländer einzumischen und sie an der freien Nutzung ihrer natürlichen Reichtümer zu hindern.

Italienische Dauerkrise: Ein heißer Winter?

Wer hofft, mich durch einen Hinterhalt zu Fall zu bringen, irrt“, sagte Giulio Andreotti. Im sechsten Monat Regierungschef Italiens, hat er zwar nichts hervorbringen können, was die Dauerkrise des Landes überwindet, allenfalls einiges, was ihre Symptome mildert.

Wolfgang Ebert: Gruppenbild mit Dame

Wenn noch keiner da ist, dann ist sicher schon einer da, und das dürfte Helmut Schmidt sein. Und der macht gerade ein Gesicht, als weine er abhandengekommenen Zuständigkeiten eine verstohlene Träne nach.

Französisches fernsehen: Abstriche vom Monopol

Frankreich hat es immer besonders schwer gehabt, in seiner ORTF, der staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt, die Pluralität der Meinungen mit dem Monopolcharakter zu versöhnen.

Nahost: Frühlings-Erwartungen

Hinter den Kulissen der Nahostszene geschieht derzeit mehr als auf offener Bühne: Nach Sadat ist auch der syrische Präsident Assad mit den sowjetischen Helfershelfern nicht sehr zufrieden.

Australien/Neuseeland: Rückversicherte Neutralisten

It’s time for a change – das war der zündende Slogan, der in Australien den Sozialisten nach 23jähriger Oppositionsrolle und in Neuseeland der Labour Party nach zwölf mageren, machtlosen Jahren zum Wahlsieg verhalf.

Nordvietnam: Der Reichtum der Armen

Als wir, erschöpft vom langen Flug, noch ohne Programm durch die Straßen Hanois bummeln, nicht weit vom Thong Nhat, dem alten geräumigen Hotel „Metropol“ der Franzosen, sehen wir einen Zeitungsverkäufer, fast nicht zu erkennen zwischen Strohhüten und Fahrrädern, die ihn umdrängen.

Frankreich vor der Wahl: Linke im Vormarsch

Was vor einigen Monaten noch unglaublich schien und bei den Betroffenen selber kaum als eine Zukunftsperspektive geweitet wurde, erscheint plötzlich als eine zwar schwache, aber doch reale Chance – ein Wahlsieg der französischen Linken, die starke Kommunistische Partei eingeschlossen.

Griechenland: Streit um Athen?

In der Spitze des griechischen Militärregimes sind offenbar Differenzen aufgebrochen, die sich an der Frage entzündet haben, wann und wie weit die Verfassung von 1968 in Kraft gesetzt werden soll.

Apollo 17: Letzter Start

Mit einer fast dreistündigen Verspätung, hervorgerufen durch einen Computer-Irrtum, der die Startvorbereitungen unterbrach, hob am Donnerstagmorgen voriger Woche (MEZ) in Kap Kennedy eine Saturn-Rakete mit Apollo 17 zum längsten und vorerst letzten bemannten Mondflug ab.

Großbritannien: Labour verlor

Bei zwei Nachwahlen zum britischen Unterhaus ist es in der vergangenen Woche zu einer kleinen Sensation gekommen. In Sutton und Cheam nahm die Liberale Partei den Konservativen mit über 7000 Stimmen Mehrheit einen Wahlkreis ab, der bis dahin fest in der Hand der Tories war.

Chile-Sowjetunion: Keine Einigung

Nach viertägigem Aufenthalt hat der chilenische Präsident Allende am Wochenende die Sowjetunion verlassen und ist nach Kuba, der letzten Station seiner Auslandsreise, geflogen.

DDR erschwert Besuche aus dem Westen

Die Haltung der DDR zu den im Grundvertrag vereinbarten Reiseerleichterungen hat die innenpolitische Diskussion in der Bundesrepublik noch einmal angefacht.

Dokumente der ZEIT

„Der Weg hierhin war ein weiter Weg für mich, der ich wie viele Millionen aus dem Krieg heimkehrte und nicht viel mehr besaß als die Hände in der Tasche, unterschieden von den anderen nur durch die Leidenschaft, schreiben und wieder schreiben zu wollen.

Aktuelle Krisenherde

Die Pariser Vietnars-Friedcnsgespräche zwischen Präsidentenberater Kissinger und dem nordvietnamesischen Politbüro-Mitglied Le Duc Tho sind offenbar in neue Schwierigkeiten geraten.

Japan: Nur halber Erfolg

Mit einem „Sieg ohne Glanz“ (Süddeutsche Zeitung) für den japanischen Ministerpräsidenten Kakuei Tanaka endeten am Sonntag die Unterhauswahlen.

SPD/FDP beenden Gespräch

Dem siebten deutschen Bundestag, der am Mittwoch um elf Uhr von Alterspräsident Ludwig Erhard, dem früheren CDU-Kanzler, eröffnet wurde, sitzt zum erstenmal eine Frau vor.

EWG: Streik um Gehälter

Bis auf die (dienstverpflichteten) Mitarbeiter des EWG-Agrarbereichs streiken seit Montag die rund 10 000 Bediensteten der Brüsseler Europa-Behörden.

Die Angeklagten als Ankläger

Ich wollte Sie nur darauf aufmerksam machen“, sagte der Untersuchungsrichter, „daß Sie sich heute – es dürfte Ihnen noch nicht zu Bewußtsein gekommen sein – des Vorteils beraubt haben, den ein Verhör für den Verhafteten in jedem Falle bedeutet.

Lokalzeit: Erst granteln, dann grüabig

Die Münchner feierten die Rückkehr auf ihre Art: als nach sechshundertjähriger Abwesenheit der „Christkindlmarkt“ wieder an seinen Ausgangspunkt in der Nähe des Domes zurückkehrte, gab es empörte Anfragen, ob denn auf einer solchen, fast heiligen Dult, auch „Unterhosen und ähnliches Klump“ feilgeboten werden dürfe.

Parkverbot für Zamperl: Auf den Hund gekommen

Die Frankfurter sind dabei, auf den Hund zu kommen. Längst häuften sich im Römer-Rathaus die Klagen, man könne in Parks und auf Bürgersteigen gar nicht mehr Spazierengehen, weil überall Hundekot herumliege.

Der „Fall Holtmann“: Nebel gelichtet

Über der schleswig-holsteinischen Ostseeinsel Fehmarn liegen undurchdringliche Nebelschwaden – nicht nur, wenn das Barometer ein Tief ankündet: Das „Betriebsklima“ unter den Inselbewohnern ist schlecht, und Außenstehenden fällt es schwer, den Schleier über nebulosen Querelen zu lüften.

Berufungs-Gerangel: Laus im Pelz?

Jeder Liberale in Baden-Württemberg, der einen Platz räumt, riskiert, daß die Konservativen daraus Vorteile ziehen. Der dies schrieb, ist der Tübinger Politologe Klaus von Beyme.

Ergänzung

Ärger mit einem Deutschaufsatz“, hieß ein Artikel unseres Kieler Mitarbeiters Rainer Burchardt in ZEIT Nr. 46. Dazu schrieb bereits der Pressechef der Kieler Landesregierung einen Leserbrief, der nun aus Kiel noch einmal ergänzt wird.

Uni-Debakel in Heidelberg: „Das sind Profis“

Ein Kämpfer für Demokratie, Recht und Freiheit, ein einsamer Mahner in der Wüste öffentlicher Gleichgültigkeit, ein Prediger für Humanität und wider den vernichtenden Terror von akademischen Eierwerfern – so stellt sich Professor Wilhelm Hahn, Baden-Württembergs streitbarer Kultusminister, in diesen Tagen ungebrochen einem staunenden Publikum.

Carola Stern: Wo gefoltert wird

Am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, wurde die Publizistin Carola Stern, Gründerin der Deutschen Sektion von „amnesty international“, in Berlin mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet.

Der falsche Fortschritt

Die documenta 5 hat es vielen gezeigt, aber kulturpolitisch falsch empfohlener Zweckoptimismus versucht mit dem Stolz auf Besucherzahlen das weniger finanzielle als geistige Kasseler Defizit zu verschleiern: Die „Avantgarde“ der Bildenden Kunst oder das, was sich gegenwärtig dafür hält, dafür ausgegeben und als solches ausgehalten wird, ist in ihren Spitzen auf einen wichtigtuerischen Bierulk herabgekommen.

Ein Terrassenhaus in Bad Nauheim: Zwischen Wellen wohnen

Oobwohl Novembernebel den Johannisberg verhüllte, sah man dieses Haus schon von weitem weiß blinken. Fast in der Achse des Nauheimer Bad-Boulevards, schräg rechts über dem Kriegerdenkmal aus den dreißiger Jahren, drängt es sich ins Blickfeld der Kurgäste, die hier im oberen Teil zwischen Park und Ladenreihe ziellos schlendern.

Abroad • Del extranjero • De l’étranger : Teurer „Tommy“

Zwei Wochen nachdem die Schallplatte veröffentlicht war, fand am Wochenende im Londoner Rainbow Theatre die Live- Premiere einer „Oper“ statt, deren Aufnahmekosten – als Plattenkonserve – rund 60 000 englische Pfund verschlungen hatte und die damit zum teuersten Pop-Album aller Zeiten geworden ist.

Die neue Schallplatte

„Christmas“; The Singers Unlimited, Leitung: Gene Puerling; MPS 20 209 04-0, 22,– DM Vermutlich ist das der interessanteste Versuch, amerikanischen, englischen und deutschen Weihnachtsliedern ungewohnte Frische zu geben.

Zeitmosaik

Erst quartierte der Bertelsmann-Konzern seinen Universitätsverlag aus Gütersloh nach Düsseldorf, die belletristischen und Sachbuch-Lektorate nach München um, in der Hoffnung, in den Zentren des Geschehens würde es ihnen leichter fallen als in der Provinz, zu Profil zu kommen.

Argumente für und gegen: Kinder

Herr Wittig in Nürnberg hat eine Fernsehsendung gesehen, die ihn wenig befriedigte. Er hat uns daraufhin, gebeten, doch einmal die Argumente zusammenzustellen, die dafür und die dagegen sprechen, daß Menschen Kinder zeugen.

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