Stärker als anderswo spielt in Süddeutschland der Adel auch in der Wirtschaft eine Rolle. Nur wenige Häuser allerdings, allen voran das Haus Thurn und Taxis, sind der breiteren Öffentlichkeit bekannt. Die meisten haben es bisher verstanden, ihre Geschäfte ebenso erfolgreich wie lautlos abzuwickeln. Land- und Forstwirtschaft sowie Brauereien bilden in Bayern den Schwerpunkt der wirtschaftlichen Betätigung der Fürsten-, Grafen- und Freiherrnfamilien. In einer weiteren Folge werden Unternehmer aus dem fränkischen Adel vorgestellt werden

Der süddeutsche Wirtschaftsadel (I)

/ Von Hermann Bößenecker

Unsere Erziehung“, erklärt Prinz Johannes von Thurn und Taxis, „geht dahin, daß wirtschaftliche Dinge eines Adeligen nicht würdig sind.“

Dem adeligen Erziehungsprinzip zum Trotz steht der 46jährige Edelmann an der Spitze eines ausgedehnten Wald-, Wirtschafts- und Finanzimperiums, dessen Wert mit 500 bis 600 Millionen Mark veranschlagt wird. Davon entfällt fast die Hälfte auf den riesigen Waldbesitz – rund 32 000 Hektar in Bayern und Württemberg.

Der auf Schloß St. Emmeran in Regensburg residierende Chef des Hauses Thurn und Taxis mußte seinem Vater die Erlaubnis zu wirtschaftlicher Betätigung erst abtrotzen: „Ich habe ihn gebeten, eine Banklehre absolvieren zu dürfen, doch er lehnte dies mit dem Argument ab, so etwas sei nichts für einen Thurn und Taxis.“

Prinz Johannes ließ sich jedoch nicht entmutigen und lernte in Nürnberg das kleine Einmaleins der Finanzen. „Ich hätte auch Playboy werden können“, sinniert er, „aber ich brauche die Auseinandersetzung mit der Außenwelt. Ein Mann bedarf der Auseinandersetzung mit der Sache.“ Der Geschäfte wegen verzichtet der Prinz sogar auf die Beschäftigung mit der Musik und Literatur, mit denen er sich eigentlich eng verbunden fühlt. Und auch die Jagd, bei manchem seiner Standesgenossen Hauptzeitvertreib, kommt zu kurz: „Zur Jagd braucht man sehr viel Zeit, und in der Wirtschaft sind für Entscheidungen mitunter Stunden wichtig.“ Das Warten auf einen guten Hirsch, der nicht kommen will, ist für den aristokratischen Junggesellen ein „ungeheuerer Notstand“.