Hannover

Mit einiger Ungeduld wartet der Verleger und Chefredakteur der „Neuen Hannoverschen Presse“ (NHP), Peter Krohn, auf den 9. Januar. An diesem Tag werden die vier Gesellschafter der SPD-eigenen NHP zu ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr zusammentreten. Krohn hofft, daß die vier älteren Herren (Durchschnittsalter weit über sechzig) mit SPD-Schatzmeister Alfred Nau an der Spitze ihm bei dieser Gelegenheit erklären werden, warum sie ihm zwei Tage vor Heiligabend die Kündigung ins Haus schickten.

Aus dem dreiteiligen Kündigungsschreiben selber war der Grund nicht zu erfahren. Aus dem kurzen Begleitbrief auch nicht. Dort hieß es lediglich, die Kündigung sei wegen der geplanten Umstrukturierung notwendig gewesen, und im übrigen hoffe man auf eine Basis für einen neuen Vertragsabschluß.

Krohn und die meisten leitenden Herren aus Verlag und Redaktion der NHP sind so hoffnungsfreudig nicht. Mehr noch als den Außenstehenden haben ihnen die Vorgänge zu denken gegeben, die in der letzten Zeit bei SPD-Zeitungen zu beobachten wären: Bei der Hamburger Morgenpost schieden Chefredakteur und Verlagsleiter unter ebenso ungewöhnlichen wie unerfreulichen Umständen aus; die Berliner Blätter Telegraf und Nachtdepesche gar wurden über Nacht dichtgemacht.

Grund genug also für die Redakteure der Hannoverschen, die unerwarteten Vorgänge in ihrem Hause mit Argwohn zu betrachten. Sie hatten in den vergangenen Jahren ohnehin kaum jemals Anlaß, der Zukunft mit großen Erwartungen entgegenzusehen. Auch der Eintritt des neuen Verlagsleiters vor zwei Jahren war in dem sorgengeplagten Unternehmen nicht als Auftakt zu besseren Zeiten gewertet worden. Denn erstens war Peter Krohn ein ehemaliger Springer-Mann, und zweitens war er in der praktischen Zeitungsarbeit eher unbedarft.

Immerhin gelang es Krohn – die Hannoversche Presse und die Hannoversche Rundschau waren inzwischen zur Neuen Hannoverschen Presse fusioniert worden –, mit einem „Gesamt-Marketing-Konzept“ von sich reden zu machen. Mit Hilfe von Hochzeitskutschendienst und Altenkränzchen wurde zwar der redaktionelle Teil der NHP nicht verbessert, aber die Zeitung blieb zumindest im Gespräch. Offenbar waren die ohnehin nicht verwöhnten NHP-Redakteure von ihrem Verlagsleiter so beeindruckt, daß sie ihn vom 1. Januar des vergangenen Jahres ab gleichzeitig ohne großes Murren auch noch als Chefredakteur akzeptierten.

Außerhalb des Hauses wurde die dem sozialdemokratischen Medienprogramm widersprechende Personalunion nicht so widerstrebend hingenommen. Die Delegierten des SPD-Bezirksparteitages Hannover ließen sich im vergangenen September auch von der nahenden Bundestagswahl nicht in ihrer Aufmüpfigkeit beirren: Sie stellten mit 114 zu 110 Stimmen den Antrag, Krohn als Chefredakteur und Verlagsleiter zu feuern, obwohl sich bei der NHP erstmals seit langem wieder ein Aufwärtstrend zeigte.