Süd- und Nordkorea haben an ein und demselben Tag eine neue Verfassung erhalten. Mit ihrer Verkündung am Mittwoch voriger Woche wurde der südliche Teil des gespaltenen Landes wieder zur Diktatur. Die neue Verfassung konzentriert alle Macht beim Staatspräsidenten Park Chung Hee, der zuletzt unter Kriegsrecht geherrscht hatte. Parlament, politische Parteien und Grundrechte sind in der Verfassung der „Vierten Republik“ nur noch schemenhafte Größen. Die Wahl Parks gilt zunächst für sechs Jahre.

Außenpolitisch sucht Südkorea die Fortsetzung des Dialogs mit dem Norden und die Wiedervereinigung. Parks Zielsetzungen treffen sich mit dem erklärten Willen des neuen nordkoreanischen Staatspräsidenten und bisherigen Regierungschefs Kim II Sung. Die dortige neue Verfassung propagiert eine „unabhängige friedliche Wiedervereinigung des Landes“. Bemerkenswert ist die De-facto-Anerkennung Seouls: Der Norden bezeichnet sich selber als die „nördliche Hälfte der Republik“.