Märklin wird vorgeworfen, Bausysteme von

Konkurrenten nachzuahmen Karl Heller, Geschäftsführer der Gebrüder Märklin & Cie. GmbH im Württemberg gischen Göppingen, fühlt sich in die Defensive gedrängt. Auf der 24. Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg mußte er immer wieder den Vorwurf hören, seine renommierte Firma, die als Produzentin von Metallbaukästen und Modelleisenbahnen einen legendären Ruf genießt, habe zu Praktiken gegriffen, die Deutschlands Spielwarenbosse sonst nur den Japanern ankreiden.

Der neue Plastik-Baukasten von Märklin sei, so das Branchenurteil, eine mißglückte Kombination von „fischer-technik“ und Lego-System. Vorsichtiger sagte es Dieter Tschorn, Pressechef der Fischer-Werke aus dem Schwarzwalddörfchen Tumlingen bei Freudenstadt: „Die Branche ist erschrocken. Sie spricht von einer Kopie.“

Gerüchte, daß Fischer die Gerichte bemüht habe, weist Tschorn indes zurück. Als Märklin jedoch ein Warenzeichen „Märklintechnik“ angemeldet habe, sei man dazwischengefahren. Tschorn: „Diese Ähnlichkeit des Namens konnten wir uns nicht bieten lassen.“ Ehe der Einspruch behandelt werden konnte, haben die Göppinger jedoch einen Rückzieher gemacht und sich für „Märklinplus“ entschieden.

Der schwäbische Tüftler Artur Fischer, 53, dessen 2800 Patente für seine „Kreativität“ sprechen, hatte nach dem Krieg mit elektrischen Feueranzündern begonnen und später mit Nylon-Dübeln und sonstigen Befestigungselementen seine Firma hochgebracht. Der Konstruktionsbaukasten war ursprünglich als Weihnachtsgeschenk für Kunden konzipiert worden. Die erste Serie ging kostenlos an die Aktion Sorgenkind. l972 kam die „fischer-technik“ bei einer Umsatzsteigerung um 51 Prozent auf mehr als 20 Millionen Mark erstmals in die Gewinnzone. Die gesamte Firmengruppe setzte 70 Millionen Mark um. Im Vorjahr waren es 55 Millionen.

Bei Märklin verweist Geschäftsführer Heller auf die 50jährige Tradition als Baukastenfirma: „Wir waren es unserem Kundenstamm schon lange schuldig, unsere Metallbaukästen auf Plastik zu übertragen.“ Es sei „unfair“, hier von einer Kopie zu sprechen. „Ähnlichkeit mit anderen Fabrikaten ist nun einmal nicht auszuschließen. Irgendwo muß alles seinen Ursprung haben.“

Heftig widerspricht Heller Vermutungen, Märklin habe am Markt Boden verloren und stecke in einer Sackgasse: „Das ist eine unerhörte Unterstellung. Wir sind ein gesundes Unternehmen mit einer kontinuierlichen Entwicklung.“ Immerhin lag der Umsatz früher einmal höher; 1969 war von „nahezu 70 Millionen Mark“ die Rede, jetzt gibt ihn Heller mit „60 bis 65 Millionen Mark“ an. Doch er versichert, die „Kapazitäten sind voll ausgelastet“.