Im Kampf mit Rhodesien: Präsident Kenneth Kaunda

Von Barbara C. Beuys

Unerwartet hart hat der Präsident von Sambia, Kenneth Kaunda, im Konflikt mit Rhodesien reagiert. Die Regierung der weißen Siedler in Salisbury hatte im Januar die Grenzen nach Sambia sperren lassen, weil afrikanische Partisanen von dort gegen Rhodesien operiert hatten. Als nun Ian Smith ohne Vorbedingungen die Blockade wieder aufhob, hielt Kaunda die Grenzen seinerseits geschlossen. Ian Smith hatte sich in dem Mann verrechnet, der vor mehr als einem Jahrzehnt, im Kampf gegen die Engländer und die weißen Siedler, noch als Apostel des gewaltlosen Widerstandes aufgetreten war. Vielmehr bekräftigte Kaunda seinen Beistand für die afrikanische Freiheitsbewegung: Die Befreiung des Südens Afrikas sei eine noch unvollendete Aufgabe in der Geschichte der Entkolonialisierung. Und natürlich werde man kein Kupfer mehr über den Sambesi nach Süden transportieren.

Härte im Kampf gegen die Südafrikaner ist nicht das erste, was mit dem Namen Kaundas verknüpft wird. Da ist die Erinnerung an den „Gandhi Afrikas“; da sind später die Vorwürfe afrikanischer Staaten, den Kampf im Süden nicht konsequent zu unterstützen. Im Gegensatz zu manchen seiner schwarzen Kollegen bat Kaunda die Weißen um Mitarbeit in seinem Land. Bis heute sind sie in Sambia wohlgelitten. Zu wohl, sagen manche Kritiker. „KK“, wie ihn die Zeitungen nennen, ein kluger Taktiker, versteht sich aber auch mit den Chinesen, ohne sich den Westen zu vergällen. Er ist ein geachteter Sprecher der blockfreien Länder der Dritten Welt geworden.

Wer sich so zwischen allen Lagern und seit der Unabhängigkeit 1964 auch an der Spitze eines Staates hält, der wie eine Halbinsel in ein feindliches weißes Meer ragt, muß etwas vom politischen Geschäft verstehen. Nicht dazu passen will die Vorstellung von einem Präsidenten, der seinem Land eine Staatsphilosophie verordnet hat: den sambischen Humanismus. Also doch ein Philosoph im Regierungspalast? Vielleicht ein Träumer? Man kann auch sehr reale Absichten dahinter sehen.

Der sambische Humanismus ist der Versuch, einem Staate, der sich aus 73 Stämmen mit ebenso vielen Sprachen zusammensetzt, den auch keine gemeinsame Religion zusammenhält, ein gemeinsames Fundament zu geben. Kaunda fördert die Rückbesinnung auf afrikanische Traditionen, die von einem oft fragwürdigen westlichen Fortschritt überrannt zu werden drohen. „Wir in Sambia gedenken alles in unseren Kräften Stehende zu tun, damit in unserer Gesellschaft der Mensch im Mittelpunkt steht. Denn hierin ist das verkörpert, was man als afrikanische Zivilisation bezeichnen könnte, und wenn das moderne Afrika dieser geplagten Welt etwas gegeben hat, so sollte es in dieser Richtung liegen.“

Wie aber soll diese ideale Gesellschaft verwirklicht werden? Heute ist die Antwort klar: durch den Einparteienstaat. Es ist das Verdienst Ian Smiths, diesen Übergang erleichtert zu haben. Nichts ist so hilfreich bei Spannungen im Innern wie ein äußerer Feind.