Bundesdeutschen Baulöwen wurde „mit sofortiger Wirkung“ (per 17. Februar 1973) eine liebgewordene Profitquelle zugeschüttet: die degressive Abschreibung bei Gebäuden. Das Steuerprivileg, mit dem seit Anfang 1965 Bauherren und Geldanleger für den Wohnungsbau gelockt wurden, hat ausgedient. Die private Baulust – einst Motor für den Wiederaufbau der zerstörten Städte – ist inzwischen zum Preistreiber Nummer eins in der Bundesrepublik erklärt worden.

Mit der Streichung des degressiven Steuerprivilegs für freifinanzierte Wohnungen soll die bundesdeutsche Bauwut nun gezähmt werden. Ob die Maßnahme ausreicht, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Für Erwerber von Eigentumswohnungen und Bauherren eigengenutzter Familienheime hat sie nämlich keine Konsequenzen. Hart betroffen scheinen nur die Käufer von steuerbegünstigten Immobilienzertifikaten und Anleger zu sein, die Eigentumswohnungen aus Steuergründen errichten. Ihnen wird in der Tat ein Vorteil gestrichen.

Bislang konnten sie die Herstellungskosten für Gebäude, die nach dem 31. 12. 1964 errichtet wurden, „degressiv“ über einen Zeitraum von 50 Jahren von ihrem steuerpflichtigen Einkommen absetzen. Nach § 7 Abs. 5 des Einkommensteuergesetzes bedeutet das einen Vorteil von 3,5 Prozent in jedem der ersten 12 Jahre, von zwei Prozent in jedem der sich anschließenden 20 Jahre und von einem Prozent in jedem der verbleibenden 18 Jahre. Der Fortfall der Degression schmälert den Steuerprofit der Bauherren ganz erheblich. Ihnen steht jetzt nur noch die normale lineare Abschreibung (nach § 7 Abs. 4 EStG) von jährlich zwei Prozent zur Verfügung – soweit sie keine Sonderabschreibungen nutzen können.

Sonderabschreibungen sind dem Bonner Rotstift nämlich nicht zum Opfer gefallen. Sie gibt es für die Bundesrepublik in Form des Paragraphen 7b EStG und für Berlin nach dem Berlin-Förderungsgesetz (§ 14a). Die Einsatzmöglichkeiten sind allerdings beschränkt. Die erhöhte Abschreibung (nach § 7 b EStG) kann von einem Steuerpflichtigen nur für ein Objekt (Ehepaare zwei) in Anspruch genommen werden, und zwar dürfen acht Jahre lang je fünf Prozent der Herstellungs- oder Anschaffungskosten und danach – vom Restwert – jährlich 2,5 Prozent steuermindernd geltend gemacht werden.

Berlin reizt mit sehr viel weitergehenden Abschreibungsvergünstigungen. Hier kann der Geldanleger bis zu 50 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten voll im Jahr der Fertigstellung oder verteilt auf die ersten drei Jahre vom steuerpflichtigen Einkommen absetzen. Allerdings muß es sich um Gebäude handeln, die mindestens drei Jahre nach Fertigstellung zu mehr als 80 Prozent Wohnzwecken dienen und erst nach dem 30. 6. 1968 bezugsfertig waren, jfr.