Die deutschen Großbanken drohen ihren ausländischen Kunden Strafzinsen für den Fall an, daß sie ihre nach dem 31. Januar in die Bundesrepublik verlegten Gelder nicht wieder abziehen. Das ist einmalig in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Bislang war es üblich, daß derjenige, der einer Bank Geld zur Verfügung stellte, durch Zinsen belohnt und nicht für sein Vertrauen bestraft wurde.

Das „kundenunfreundliche“ Vorgehen der Banken ist eine Folge der Bundesbank-Anordnung, wonach Auslandseinlagen bei ihr zu 100 Prozent zinslos als Mindestreserven hinterlegt werden müssen. Die Kreditinstitute haben also keine Möglichkeit, diese Gelder zinsbringend anzulegen. Wegen des von der Bundesbank verfügten Verrechnungsmodus kann es sogar passieren, daß diese Mindestreserven auch dann noch gehalten werden müssen, wenn die Einlagen von den Ausländern bereits abgezogen sind.

So werden die Ausländer jetzt hinauskomplimentiert, was der an einem Dollar-Abfluß interessierten Bundesbank natürlich sehr gelegen kommt. Im Kampf gegen eine neue Währungsspekulation blieben aber auch einhundertprozentige Mindestreserven auf Auslandsgeld eine stumpfe Waffe. Wer einen sicheren Währungsgewinn vor Augen hat, wird sich durch minimale Strafzinsen keinesfalls abschrecken lassen.

K. W.