Wir alle sind heute einem Bombardement von Informationen verschiedenster Art schutzlos ausgesetzt. Gewiß, Information ist für das Funktionieren einer Demokratie unentbehrlich; wenn sie allerdings verantwortungslos betrieben wird, kann sie mehr schaden als nützen. Ich denke da besonders an die vor längerer Zeit in den Massenmedien gestartete Aufklärung über Rauschmittel.

Ohne unterstellen zu wollen, daß hier aus Sensationslust einiger Journalisten informiert wurde, kann man sagen, daß diese Informationen völlig ihren Zweck verfehlten. Das riesige Angebot an noch so fundierten Aufklärungsbeiträgen über Rauschmittel machte einen Großteil der Jugendlichen erst neugierig auf die Droge! Information wurde zur Reklame.

Labile junge Leute, die an der sogenannten „Schwelle“ standen, wurden selbst durch die Beschreibung schlimmster Fälle nicht abgeschreckt, sondern erst recht zum Genuß von Rauschgift verführt. Die Porträts von hochgradig Süchtigen führten ungewollt zu einer grotesken Verherrlichung dieser Personen. Sie erschienen als Märtyrer der Gesellschaft, und damit wurden sie zu Helden. Diese Leute, die blind in den Tod gingen, hatten etwas Faszinierendes, und so fanden sich viele Nachahmer, die auch etwas von diesem Ruhm abhaben wollten.

Ein anderes Beispiel für die bedenkliche Wirkung übertriebenen Informationseifers ist der Fall Dachau. In diesen Tagen besuchte ich mit englischen Freunden die Gedenkstätten des Konzentrationslagers. Mit rücksichtsloser Genauigkeit sind hier alle Schrecken festgehalten und wirken auf die Besucher schonungslos ein. Meine Freunde waren schockiert, sie reagierten aggressiv und verbittert – wie alle anderen Ausländer auch. Zu einer Völkerverständigung tragen solche Stätten sicherlich nicht bei. Auch bezweifle ich, daß sie, was ja ihr Zweck sein soll, das Entstehen ähnlicher grauenvoller Zustände verhindern könnten. Ich glaube vielmehr, daß diese taktlose, übertriebene Offenheit, mit der die perfekten Mordanlagen zur Schau gestellt werden, eine beleidigende Erinnerung darstellt, Rachegefühle produziert und alte Wunden wieder aufreißt.

So frage ich, ob es nicht besser wäre, bestimmte Themen totzuschweigen. Nach dem Dritten Reich, in dem die Information durch Propaganda ersetzt wurde, ist man heute dem anderen Extrem verfallen – einer Überbewertung der Information. Thomas Mösler, 17 Jahre