Ehrlichkeit scheint nicht die Stärke der Franzosen zu sein. Die Verwaltung der Pariser U-Bahn riskierte eine Probe aufs Exempel – und wurde bitter enttäuscht. Seit einem Jahr hatte man an einer Reihe von Metro-Stationen darauf verzichtet, jeden Fahrschein von einem Beamten abknipsen zu lassen. Die Kontrolle wurde statt dessen einem Automaten anvertraut.

Seit Montag stellen sich in elf Vorortstationen wieder jeden Morgen die Beamten mit der Knipszange ein. Gerade in den Vororten war die Personaleinsparung der Verkehrsbetriebe weitgehend als Einladung zum Nulltarif fehlinterpretiert worden. So ging der Verkauf von Wochenkarten sprunghaft zurück, ohne daß sich die Zahl der Metro-Fahrer verringert hätte.

Bis September ist nun wieder das Ticket vorzuzeigen. Dann wollen es die Pariser Verkehrsmanager mit elektronischen Entwertungsgeräten versuchen. Um in der Zwischenzeit allen die Lust am Gratisfahren zu vertreiben, wurden die „fliegenden Brigaden“ zur Kontrolle auf Bahnsteigen und in Waggons verstärkt.

Wieviel der ganze Spaß die Verkehrsbetriebe mittlerweile gekostet hat, wollen ihre Manager aber nicht verraten. Grund genug für die Linksgewerkschaft CGT, die Reduzierung des Personals um jeden Preis schon jetzt als ruinös zu verdammen. smi