Die Mühlen verklagen die Anbau -Organisation vor dem Europäischen Gerichtshof

Vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxem-, burg wird italienischer Familienzwist ausgetragen. Der Verband der italienischen Reisindustrie hat Italiens halbstaatliche Reisbauern-Organisation „Ente Nazionale Risi“ verklagt. Diese Körperschaft, die zu Mussolinis Zeiten als Schutzgemeinschaft der italienischen Reiserzeuger gegründet wurde, finanziert ihre zahlreichen Aktivitäten durch Erhebung eines Zwangsbeitrages. Diesen Obulus allerdings müssen nicht die Erzeuger, sondern die verarbeitende Industrie als „Vertragsgebühr“ zahlen – für jeden Sack Reis, den sie von den Bauern kauft.

Das Geld wird von der „Ente Nazionale Risi“ gut angelegt. Ein eigenes Saatzuchtinstitut, Lagerhallen, Beratungsstellen und ein dichtes Netz von sonstigen Dienstleistungen fördern den heimischen Reisanbau. Die Erfolge sind überzeugend: Italiens Reisbauern verdienen mit am besten in der gesamten europäischen Landwirtschaft. Die Anbauerträge sind so hoch, daß Italien sich mit Reis selbst versorgen und außerdem noch die Hälfte der Produktion exportieren kann.

In der Europäischen Gemeinschaft haben die Reisbauern der Po-Ebene eine Art Monopolstellung. Denn nach der gemeinsamen Agrarmarktordnung sind Mindestpreise für Reis garantiert. Die Reisbauern haben das Recht, jederzeit ihren Reis zum Mindestpreis an eine staatliche Einlagerungsstelle abzugeben.

Die Praktiken der „Ente Risi“ verstoßen nach! Angaben der Industrie-Rechtsanwälte gegen einige Artikel der römischen Verträge: Gegen das Verbot der Diskriminierung, das Verbot einer Beschränkung der Ausfuhr und der Ausnutzung einer beherrschenden Marktposition.

Worauf es den italienischen Reismühlen aber wirklich ankommt, ist das Geld. Einheimischer Reis wird immer teurer, und die „Vertragsgebühr“ ist erst im letzten Jahr beträchtlich erhöht worden. Dazu kommt, daß die italienischen Reismühlen fast ausschließlich im Produktionsgebiet der Po-Ebene angesiedelt sind. Sie können kaum mit der Verarbeitung von Überseeimporten drohen.

Die italienischen Reisverarbeiter befinden sich damit in einem erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber ihren deutschen und holländischen Kollegen, die sich vorwiegend an den Nordseehäfen angesiedelt haben. Meist handelt es sich überdies hierbei um starke amerikanische Industriegruppen, die vorwiegend auch amerikanische Rohware verarbeiten. Die Konkurrenz zwischen dem Reis aus Europas Norden und Süden hat sich in der letzten Zeit besonders in der Bundesrepublik verschärft, da Italiens Reisbauern mit neuen, harten Sorten aufwarten, die die Legende vom italienischen Pappreis bei deutschen Hausfrauen zerstören sollen. Die Werbekampagne erfordert erhebliche Mittel – die römische „Ente Risi“ möchte daher nicht auf die „Vertragsgebühr“ verzichten. Friedhelm Gröteke