Muß der Steuerzahler für den Aufwertungsverlust aufkommen?

Zu den prominenten Opfern jeder Aufwertung gehört die Deutsche Bundesbank. 1961, bei der ersten Mark-AufWertung nach der Währungsreform, fiel die Rechnung mit 1,5 Milliarden Mark noch relativ bescheiden aus. Doch bei der Aufwertung im September 1969 mußten die Frankfurter Währungshüter bereits vier Milliarden Mark auf Verlustkonto buchen. Die Neuordnung der Kurse im Dezember 1971 kostete die Bundesbank dann runde sieben Milliarden Mark. Und für die jüngste Dollar-Abwertung dürfte das Minus nur wenig unter acht Milliarden liegen.

Wie kommt es, daß der Bundesbank so hohe Verluste entstehen? Wenn der Wert der US-Währung durch eine Kurskorrektur sinkt, dann werden natürlich auch die Dollar weniger wert, die im Besitz der Notenbank sind. An dem Tag, an dem Richard Nixon die Dollarabwertung verfügte, hatten die Währungsreserven der Bundesbank den Rekordstand von 93 Milliarden Mark erreicht, davon 75 Milliarden in Dollar. Mit der zehnprozentigen Abwertung der amerikanischen Währung ging auch der Wert dieser Reserven um ein Zehntel zurück.

Im Geschäftsbericht der Bundesbank für 1971 konnte man unter dem Stichwort Aufwertungsverlust folgendes lesen: „Die Neubewertung der auf Fremdwährung lautenden Forderungen und Verbindlichkeiten... ... führte gegenüber den Buchwerten zu einem Ausgleichsbedarf von 5966,3 Millionen Mark, der in die Gewinn- und Verlustrechnung eingesetzt worden ist. Nach Neubewertung des Goldes und einiger anderer Positionen erhöht sich der Aufwertungsverlust voraussichtlich um 1031,9 auf 7028,2 Millionen Mark.“

Diese sieben Milliarden Mark sind schuld daran, daß die Bundesbank 1971 nicht den üblichen Gewinn erwirtschaftete, sondern einen Verlust von 3,1 Milliarden ausweisen mußte. Denn die Erträge reichten nicht aus, um den Marsch in die roten Zahlen zu verhindern. Leidtragender des schlechten Geschäfts: der Bundeshaushalt. Denn immer wenn die Bundesbank am Jahresende einen Überschuß erzielt hat, wird er (vergleichbar einer Dividende) an die Bundeskasse überwiesen. Das waren 1970 rund 800 Millionen Mark.

Auch in der nächsten Zeit wird die Bundesbank kein Goldesel für den Bundeshaushalt sein können. Denn die Dollar-Abwertungseffekte müssen erst verdaut werden. Daher der Schluß, der Steuerzahler müsse dafür aufkommen.

Diese Behauptung wäre nur dann richtig, wenn der Fiskus ausfallende Gewinnüberweisungen der Bundesbank in genau gleicher Höhe beim Steuerzahler eintreiben würde. Wenn es dagegen; gelingt, mit Hilfe einer Markaufwertung oder der Dollarabwertung die Inflation zu bremsen, dann könnte der Finanzminister sogar ein Geschäft machen: Die Bundesregierung kann mit einer relativ stabilen Mark mehr Güter kaufen als bei ständig steigenden Preisen.