Von Josef Müller-Marein

Als ich im vorigen Jahre Köln nur durchquerte und mich nicht aufhielt, obwohl Karneval war, gab es eine Verkehrsstockung. Ich hörte, daß weit vorn jemand aus einem Auto herausrief, wie lange es wohl noch dauere. Antwort: „Dat duurt noch jet!“

Vier Kinder standen in meiner Nähe, und eins rief mir durch mein geöffnetes Autofenster zu: „Et ess kalt, Onkel. Et ess esu kalt!“ Ich machte die Tür auf: „Kommt rein. Wärmt euch auf!“ Ich ließ das Gebläse für die warme Luft schnurren.

Plötzlich war der Wagen voller Geklingel und Gebimmel, denn meine Gäste trugen an spitzen roten oder weißen Hüten und an gezackten Halskrausen Schellen und Glöckchen. Ich hatte den Wagen voll geladen mit Clowns und Pierrots; auch eine Colombine stieg noch zu. Rheinischer Karneval, Fastelovend schon der Sieben- und Zwölfjährigen. Ach, ich erinnerte mich gut.

Da war zum Beispiel eine Photographie: Meine Geschwister und ich im Schaukelpferdalter um ein eben solches Tier versammelt und angetan mit Karnevalskostümen. Mein Bruder Hans, der die besondere Fähigkeit besaß, aus Spucke kleine Luftbläschen zu machen, übte seine Kunst auch in diesem Augenblick aus. Meine Schwester Marianne, das kleinste aller Rotkäppchen, hielt sich verzweifelt am Schweif des Schaukelpferdes fest. Unsere Augen waren ängstlich aufgerissen.

War es das Blitzlicht? Oder war es, weil wir wußten, daß die Erwachsenen jetzt gleich den Photoapparat beiseite legen, sich ihrem eigenen Karneval zuwenden und uns Clownkinder mutter- und vaterlos, tanten- und onkellos unserem Schicksal überlassen würden? Was macht man da – Ende Februar, Anfang März? Was fängt man um Himmels willen an, wenn es kalt ist?

Ein ganz dicker „Küttel“