Von Konrad Paschen

Der Autor Professor Konrad Paschen war Direktor des Instituts für Leibesübungen der Universität Hamburg.

Seit zwei Jahren gibt es ein Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Lövenich bei Köln, sind an den bundesdeutschen Universitäten Lehrstühle für Sportwissenschaft eingerichtet und erscheint eine neue Zeitschrift „Sportwissenschaft“. Wie kam es zu diesem Durchbruch, und was bedeutet diese neue Wissenschaft?

1922 wurde die erste Hochschule für Leibesübungen in Berlin-Charlottenburg gegründet. Ab 1925 entstehen an allen deutschen Universitäten Institute für Leibesübungen, an denen in erster Linie Sportlehrer für Gymnasien ausgebildet wurden. Aber sie kämpften bis vor kurzem vergeblich um wissenschaftliche Anerkennung und um ihre volle Integration in die Universitäten. Da keine Lehrstühle für diese Institute genehmigt wurden, fehlte ihnen das Promotions- und Habilitationsrecht und damit der wissenschaftliche Nachwuchs.

Die Fakultäten waren nicht bereit, den Sport als wissenschaftliche Disziplin anzuerkennen, obwohl sich der Sport inzwischen zu einem unübersehbaren Phänomen der Industriegesellschaften entwickelt hatte und dringend wissenschaftlicher Entwicklungshilfe bedurfte. Die Universität Hamburg schuf 1962 als erste einen Lehrstuhl für „Leibeserziehung“, der nach fünfjährigem Gerangel der Fakultäten wieder aufgehoben wurde. Erst mit der Studentenrevolte und der Reform der Hochschulen war es möglich geworden, einer neuen Wissenschaft vom Sport Hausrecht an den deutschen Universitäten zu erkämpfen, das ihr in den USA und in allen Ostblockländern schon lange vorher gewährt worden war.

Wie alle neuen Wissenschaften hat auch die Sportwissenschaft ihr Selbstverständnis, ihre Begründungen, ihre Gegenstände und Methoden noch nicht voll entwickelt. Vor ihrer Etablierung in der Universität haben wenige Pioniere und Idealisten unter Mühen und Richtungskämpfen Vorarbeit für die neue Wissenschaft geleistet. Umfangreiches Material zu einer Theorie der Leibeserziehung schuf das erste Fundament, im wesentlichen bildungstheoretisch und historisch aufgebaut.

Daneben standen die Arbeiten der Sportmediziner, die mehr dem Sport als dem Schulsport verpflichtet waren. In manchen Ländern bilden heute Sportmedizin, Funktionelle Anatomie und Physiologie das Zentrum der Sportwissenschaft. Ihre Erkenntnisse sind für den Sport von großer Bedeutung, beleuchten aber nur einen Teilaspekt des Sports, nicht das Ganze. Für den Mediziner hat der Sport und als Rehabilitation.