Vor dem Bundestag sagte Bundesminister Egon Bahr:

„Es handelt sich um die einzigen beiden Staaten der Welt, die sich als deutsch bezeichnen, die es nötig gefunden haben, sich an die Geschichte zu erinnern, die eine Gegebenheit für beide ist. Es gibt die nationale Frage für beide. Sie gehört zu den historischen Gegebenheiten...

Man würde es drüben ablehnen, wenn jemand der DDR die Eigenschaft des Deutschen absprechen wollte. Andererseits wird versucht, das Deutschtum in einen Klassengesichtspunkt zu zwingen. Die bei uns auch heute wieder gehörte Sorge, die DDR werde ihre Art von Alleinvertretung, ihr Ziel eines einheitlichen deutschen Staates, kommunistisch gefärbt, verfolgen, diese Sorge kann man niemandem nehmen. Denn die DDR hat schon immer den Anspruch erhoben, das bessere, demokratischere, modernere Deutschland zu sein.

Die ideologische Auseinandersetzung bleibt uns nicht erspart. Interessant ist nur, daß sich in den zurückliegenden Jahren alle Versuche der DDR als untauglich erwiesen haben, sich von der Nation abzuwenden ...

Es gehört zu den scheinbaren Widersprüchlichkeiten unserer Zeit, unserer Situation, daß ideologische Abgrenzung die Kehrseite zunehmender Begegnung ist. Je mehr Menschen in beiden Richtungen die Möglichkeit von Begegnungen bekommen, desto wichtiger ist es, daß sie dies im Bewußtsein der Tatsache der zwei bestehenden Staaten und der in ihnen geltenden Gesetze tun.

Die Erleichterungen für die Menschen können und, wie ich zuversichtlich hoffe, werden in dem Maße zunehmen, in dem die Illusion abgebaut wird, als könne es eine ideologische Konvergenz in die eine oder andere Richtung geben. Es kann nicht klar genug gesagt werden, daß der Vertrag die Staatsformen nicht ändert, hier nicht und drüben nicht, und daß an die Stelle der bisherigen Feindseligkeit, der Nicht-Beziehungen, schwierige Beziehungen treten...“