Auch in Deutschland setzen sich Campmobile langsam durch

Der neue Rekord blieb von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt. Als Ende Januar bei den Westfalia-Werken in Wiedenbrück das 125 000. Campmobil vom Montageband fuhr, konnte das Unternehmen nicht nur den Rekord, sondern auch die Eroberung einer Marktlücke feiern.

Seit 1951 werden in Wiedenbrück Campmobile ausgestattet: Kleintransportwagen von VW, Daimler-Benz, Ford und Hanomag-Henschel werden – mit Tisch, Betten, Stühlen, Kochgelegenheit und nach Wunsch auch mit Kühlschrank und Toiletten eingerichtet – zu rollenden Eigenheimen, zum Zimmer mit Motor.

Wagen mit dem kompletten Führerhaus werden von den Autoherstellern an die Westfalia-Werke geliefert. Dort werden sie mit mehr oder weniger Komfort wohnlich gemacht – die Ausrüstungszeit beträgt immerhin drei bis vier Wochen – und über die Vertragshändler der Autofirmen verkauft.

Bis 1955 kamen aus der Wiedenbrücker Produktion erst knapp 300 Campmobile. Zehn Jahre später war man allerdings schon auf über 10 000 Stück gekommen. 1969 rollte dann bereits der 50 000. Reisewagen vom Band.

Trotz der inzwischen 125 000 ausgelieferten Campmobile sind die motorisierten Eigenheime in Deutschland noch eine Rarität. Nicht nur, daß bundesdeutsche Camping-Urlauber das Zelt – allein im letzten Jahr wurden in der Bundesrepublik rund 300 000 abgesetzt – und den Wohnwagen-Anhänger (davon gibt es derzeit insgesamt 300 000) vorziehen. Die meisten in Deutschland ausgestatteten (schätzungsweise 130 000) Reisemobile gehen nämlich ins Ausland.

Von den 125 000 Wiedenbrücker Wohnmobilen, so schätzt Helmut Vollert, Geschäftsführer der Deutschen Caravan Union, sind nur fünf Prozent in der Bundesrepublik geblieben. Über 60 Prozent wurden in die Vereinigten Staaten geliefert.