In zehn Jahren spätestens, das steht bei Reisefachleuten fest, gilt es, der hiesigen Attraktionen überdrüssigen und nach neuen Abenteuern hungernden Touristenüberbevölkerung ein wirksames Ventil zu verschaffen; Wo die künftigen Gestade der Urlauberglückseligkeit zu finden sind, haben jetzt die Schweden herausgefunden: nicht auf dieser Welt jedenfalls. „Weg vom Massentourismus und auf in den Weltraum“ heißt denn auch die Devise des skandinavischen Reiseveranstalters „Globetrotter“, Tochterunternehmen der SAS, als welches er sich auf blauweißem Firmenbogen glaubhaft legitimiert. Für 1983 avisiert Globetrotter 14- bis 21tägige Weltraumflüge – in einem raketengetriebenen Senkrechtstarter von der Größe einer Super DC-9, der in die Erdumlaufbahn geschossen und später wie ein konventionelles Flugzeug landen soll. Globetrotter-Reiseleiter und das spezielle Weltraum-Smörgåsbord sind im Preis (verbilligter Gruppentarif!) von 675 000 Mark inbegriffen.

Dem ungläubigen Urlauber wird mit einem einzigen Wort der lachbereite Mund gestopft: mit der NASA. Immerhin habe man das Projekt gemeinsam mit der amerikanischen Weltraumbehörde entwickelt. Und heißt es nicht, daß diese einst mächtige Institution nach dem Ende der Apollo-Programme so gut wie arbeitslos sei? Wenn dann noch versichert wird, daß der deutsche Urlauber nicht auf liebgewordene Gewohnheiten zu verzichten braucht – er darf in Hemdsärmeln reisen, beengende Raumanzüge sind nicht erforderlich –, ist er vollends besänftigt.

So weit, so gut. Aber hatte man nicht, durch Science-fiction- und Kino-Magier angeregt, von anderen Weltraumeskapaden geträumt? Zumindest so lieblos eingepfercht nach Jumboart und ferngelenkt von Houston aus sollte es nicht zugehen. Eher schon in Barbarella-Manier, mit technisch perfekter Untertasse, die Hand am Kontrollhebel, scharf die vorbeirasenden Planetensysteme der Milchstraße anvisierend und sich von Richtstrahlen zu neuen Planetenufern führen lassend. Nichts von alledem. Eine fade Sache offenbar – diese Weltraumkreuzfahrten.

B. v. J.