Gefragt und ungefragt verbreitete Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher vor den Wahlen, daß die Bundesrepublik hinsichtlich ihrer Gastarbeiter „an den Grenzen der Aufnahmefähigkeit angekommen“ sei. Bundeskanzler Willy Brandt äußerte sich ähnlich.

Doch jetzt prophezeit das den Unternehmern nahestehende Industrieinstitut auf Grund der Konjunkturlage für dieses Jahr wieder eine deutliche Zunahme der Gastarbeiterzahl. Einschließlich der Familienangehörigen leben aber bereits 3,4 Millionen Ausländer unter uns – Menschen, für die Wohnungen, Schulraum, Kindergartenplätze und Krankenhausbetten bereitgestellt werden müssen, was bisher keineswegs im notwendigen Umfang geschehen ist.

Hinzu komm daß eine wachsende Zahl von Gastarbeitern für immer hier bleiben möchte. Darüber, wie sie und ihre Kinder dauerhaft in unsere Gesellschaft eingegliedert werden können, bestehen aber bisher kaum Vorstellungen. Während weiterhin Menschen fast ebenso gedankenlos importiert werden wie Rohstoffe, ist von einer über die Tagesprobleme hinausschauenden „Gastarbeiterpolitik“ noch nichts zu erkennen. mj