Kappeln/Schleswig

Ein griechischer Arzt kämpft gegen deutsche Bürokratie und ministeriellen. Starrsinn. Er möchte in Deutschland bleiben, wird hier auch benötigt, doch die Behörden wollen ihn nicht. Zumindest lehnen jene Stellen, die darüber zu befinden haben, wer wann wie lange in Deutschland leben darf, den vierzigjährigen Gynäkologen Dr. Konstantin Andreadis aus Kappeln bei Schleswig ab. Dessen Patienten haben bereits mit rund 700 Unterschriften dem Arzt ihre Sympathien bekundet und sich für seinen weiteren Verbleib in der Bundesrepublik eingesetzt.

Sie halten ihn nicht nur für qualifiziert, sondern auch für notwendig; allein, Schleswig-Holsteins Sozialminister Claussen würde den Mediziner aus Hellas lieber heute als morgen abschieben. Im Augenblick probiert er es gerade per Eingabe beim Oberverwaltungsgericht in Lüneburg. Das Landesverwaltungsgericht Schleswig hat dem griechischen Arzt eine Aufenthaltsverlängerung bis zum 30. April gewährt.

Andreadis bis einen Fehler: Er wohnt schon zu lange hier und möchte nun auch noch schon scher werden. Er kam vor 17 Jahren, 1956, in die Bundesrepublik, hat hier studiert, promoviert und geheilt. Verheiratet ist er mit einer Griechin, seine zehnjährige Tochter ist hier geboren und spricht kaum: ein Wort Griechisch. „Sie fühlt und spricht Deutsch“, sagt Andreadis, der selbst „eigentlich niemals den Wunsch gehabt“ hat, in seine Heimat zurückzukehren.

Um von griechischer Seite keine Schwierigkeiten zu bekommen, hat er in den Jahren 1967/68 seinen Militärdienst als Sanitätsoffizier in Griechenland geleistet. Nach seiner Promotion in Göttingen kam er dann als Assistenzarzt an das städtische Krankenhaus nach Schleswig und wurde dort Oberarzt. Sein Können fand Anerkennung; seine Aufenthaltserlaubnis wurde ihm stets ohne Schwierigkeiten verlängert.

Doch als er den Entschluß faßte, sich selbständig niederzulassen, fand die behördliche Toleranz ein schnelles Ende. Mit seinem Bestallungsgesuch reichte Andreadis einen Einbürgerungsantrag ein. Beides wurde abgelehnt. Gleichzeitig machte man ihm klar, daß er ja nun wohl lange genug in Deutschland sei. Schließlich komme er aus einem Entwicklungsland, in dem er gebraucht werde. Man legte ihm nahe, schnell abzureisen.

Der Arzt war fassungslos. Um Zeit zu gewinnen, erbat er eine Aufenthaltsverlängerung. Doch man war nur bereit, seinen Paß mit einem Duldungsstempel zu zieren. Und so leitete er denn ohne Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung in Vertretung für eine erkrankte Kollegin eine 18-Betten-Station an der Margarethen-Klinik in Kappeln. Auch so etwas vollbringt die deutsche Bürokratie.