Als hierzulande zum Traditionstermin (11.11.) der Karneval proklamiert wurde, übergaben südafrikanische Honoratioren in Johannesburg das neue Flughafengebäude offiziell seiner Bestimmung, ein repräsentativer Erweiterungsbau im internationalen VIP-Stil, in dessen nüchternen, kühlen Hallen man, treppauf, treppab, barocke Irrwege zurücklegen kann.

Der Gebäudeflügel hat einen Anflug von Weltläufigkeit, wie sie auch einem südafrikanischen Flughafen nicht übel ansteht. Es gibt Auffahrtsrampen und Parkplätze, Tiefgaragen, Lifts, zwei Informationsschalter und gemeinsame Warteräume für Passagiere beliebiger Hautfarbe. Tatsächlich landen täglich mehr als zwanzig Maschinen internationaler und mindestens noch einmal so viele lokaler Fluggesellschaften. Doch das Lokalkolorit Südafrikas schlägt auf dem internationalen Flughafen der Millionenstadt noch kräftig durch.

So gibt es im neuen internationalen Flughafengebäude sonntags kein Bier noch sonstigen sündigen Alkohol. Die Reisenden nehmen mit Milch und Fruchtsäften vorlieb oder spazieren hinüber zum ebenfalls neuen Holiday Inn. In der Cafeteria wird ein kleines Bier freilich nur in Verbindung mit einer kleinen Mahlzeit verabfolgt, als könnte sich der Gesetzgeber im Widerspruch zum Vetter aus Dingsda nur vorstellen, daß man zwar essen kann, ohne zu trinken, aber nicht trinken, ohne zu essen.

Das Gepäck wird der Südafrikareisende auf dem Spaziergang zum doppelt und dreifach bezahlten Bier vermutlich auch mitnehmen müssen. Es sei denn, er fände nichts dabei, die Koffer unbeaufsichtigt zurückzulassen. Denn sonntags ruht die Gepäckaufbewahrung, und die 33 Schließfächer (davon fünf kaputt) im alten sowie 39 im neuen Gebäude sind auch an den minder betriebsamen Sonntagen grundsätzlich beansprucht. Der Weg zwischen den Schließfächern im alten und neuen Gebäude beträgt etwa 250 Meter. Man kann ihn sich sparen. Die freundlichen Mädchen an den Informationsschaltern lehnen Gepäck und Verantwortung ab und werden außerdem gerade in zehn Minuten abgelöst. Allerdings muß man wissen: Nur Ortsfremde verschwenden Gedanken ans Reisegepäck. Einheimische lassen es sich hinterhertragen. bo