Von Sybil Gräfin Schönfeldt

Erster Besucher des Tages: ein Angehöriger einer Wohnkommune, die aus 25 Menschen besteht. „Wie muß unser Tagesplan aussehen? Wieviel Kalorien benötigen wir?“ Die nächsten, die um Rat fragen: ein älteres Ehepaar, das Angst vorm Dickwerden hat und nun wissen will, wie man am besten die Rente einteilt.

Zweimal in der Woche ist die Ernährungsberatung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Hamburg vier Stunden lang für das Publikum geöffnet – Nachhilfestunden für Bürger, die so recht nicht wissen, wie man sich richtig ernährt.

In Hamburg, das fast zwei Millionen Einwohner hat, ist seit knapp fünfzehn Jahren eine Ernährungsberaterin tätig, seit zwei Jahren hilft ihr eine Kollegin. Insgesamt gibt es in der Bundesrepublik 25 Beraterinnen, die zur Deutschen Gesellschaft für Ernährung gehören. Ernährungsberatung ist Ländersache – die Bayern haben zum Beispiel darauf verzichtet. Die Länder, die in dieser Beratung – wie die DGE selbst – vorbeugende Gesundheitsfürsorge sehen, stellen hierfür die finanziellen Mittel zur Verfügung.

Der Hamburger Etat beträgt für das laufende Jahr 79 000 Mark. Das ist wenig für eine Stadt wie Hamburg, doch die beiden Beraterinnen haben daraus im vorigen Jahr einiges gemacht (damals betrug ihr Etat 57 000 Mark): 49 Lehrgänge und 84 Vorträge in der Gesundheitsbehörde, in Krankenpflege- und Elternschulen, bei Lehrern, Schülern und Altenpflegern, Familienhelferinnen und Sozialpädagogen, im Lebensmitteleinzelhandel, bei Messen und Frauenverbänden, beim Diabetikerbund und bei den Hamburger Elektrizitätswerken. Selbst die Feuerwehr hat gelernt, wie man sich in den langen Stunden der Wache etwas kocht, das wach hält und nicht dick macht.

Alles zusammengenommen, gaben die beiden Beraterinnen über 2000 Menschen, die in ihrem Büro nachfragten, Ratschläge und Auskünfte. Ihr Telephonansagedienst, der Rezepte verbreitet, wurde über 2000mal in Anspruch genommen. 15mal gaben sie Journalisten Interviews, und in über 100 Artikeln der lokalen Presse wurde ihre Arbeit gewürdigt.

Trotzdem: von Zeit zu Zeit (zuletzt im Januar) stellt die CDU-Opposition einen Antrag in der Bürgerschaft, die Mittel für die Ernährungsberatung zu streichen. Offensichtlich sind noch nicht alle von der Notwendigkeit dieser Arbeit überzeugt. Der tiefere Grund: die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat kein Geld, für sich zu werben. Sie hat kein Image, öffentliche Anerkennung fehlt ihr noch weitgehend.