Wilhelm Haferkamp ist Vize-Präsident der Europäischen Kommission und zuständig für Wirtschafts- und Währungspolitik

ZEIT: Zehn Tage nach der Abwertung des Dollar stand die amerikanische Währung am deutschen Devisenmarkt erneut unter Druck. Waren das schon die Vorboten einer neuen Währungskrise?

Haferkamp: Man kann nicht voraussagen, was sich an weiteren Spekulationswellen ergeben könnte. Sicherlich wird mit den Maßnahmen, die den letzten großen Ansturm gebrochen haben – nämlich die Abwertung des Dollar und die Freigabe des Yen-Wechselkurses – das Problem von der richtigen Seite angepackt: Das heißt, das Handelsbilanzdefizit der USA und vor allem der Handelsbilanzüberschuß der Japaner gegenüber den Vereinigten Staaten.

ZEIT: Sie haben schon wenige Tage nach der Festsetzung der neuen Dollarparität gesagt, daß sich die europäischen Staaten nun zunächst die Möglichkeit eines gemeinsamen währungspolitischen Verhaltens schaffen müssen. Sind Sie optimistisch, daß dies gelingt?

Haferkamp: Der Ministerrat der Europäischen Gemeinschaft hat auf seiner letzten Sitzung erklärt, daß er die Entwicklung der Wirtschafts- und Währungsunion beschleunigen will. Er hat einen Vorschlag der Kommission angenommen, zwei in diesem Zusammenhang wichtige Berichte vorzeitig zu erstatten: den Bericht über den Ausbau des kurzfristigen Währungsbeistandes in der Gemeinschaft, der zunächst für den 30. September vorgesehen war, und einen weiteren, zum 31. Dezember dieses Jahres geforderten Bericht über die Bedingungen einer stufenweisen Zusammenführung von Währungsreserven aus den Mitgliedstaaten der Gemeinschaft in eine gemeinschaftliche Einrichtung. Diese beiden Berichte wird die Kommission nunmehr vor dem 30. Juni vorlegen.

ZEIT: Immerhin war dieser Währungsbeistand bereits vor einem Jahr vereinbart worden. Gleichwohl kam es danach zur Devisenmarktspaltung in Italien, und auch nach dem 2. Februar war ein konzertiertes Verhalten der Neun nicht möglich, weil die Engländer nicht mitziehen konnten. Was spricht dafür, daß es beim nächstenmal klappen wird?

Haferkamp: Nun, wir werden sicher aus jeder Krise Lehren ziehen. Wie Sie wissen, hat die Regierung Großbritanniens einige Monate, bevor dieses Land in die Gemeinschaft eingetreten ist, den Wechselkurs freigegeben. Es besteht für mich kein Zweifel daran, daß Großbritannien so schnell wie möglich wieder zu einer festen Parität zurückkehren will.