Das Fürstentum hat sich verjüngt – Monte Carlo ist wieder eine Heise wert

Von Konrad Berner

Wanderer, kommst du nach Monte, neige in Trauer dein Haupt vor den Helden der Spielbank, die bis zum letzten Taler hielten die Stellung...“

So hätte vor gut sechzig Jahren der Hofpoet des Fürsten Albert I. von Monaco dichten können.

„Pack die Badehose ein“, würde heute der kurzgefaßte Rat an den Monte-Carlo-Reisenden lauten. Denn „Monte“ ist Bade- und Strandstadt geworden, im Sommer wie im Winter. Das Kasino beherrscht nicht mehr die Szene. Zwar treffen sich immer noch alte Millionäre im „Hotel de Paris“, in der „Hermitage“ und im „Metropole“, auch sind die Privatsäle des Kasinos immer noch Spielwiese einer schmalen Oberschicht mit dicker Brieftasche, aber Fürst Rainier III. und Gracia Patricia haben es verständen, mehr und mehr junge Leute in ihr Ländchen zu locken, für die das Roulett keine Attraktion mehr bedeutet. So ist im „Café de Paris“, wo früher die alten Damen ihre Brillantcolliers vorführten, ein Drugstore entstanden, in dem sich von früh bis spät ein Publikum drängelt, das noch vor zehn Jahren seinen Fuß nicht nach Monte Carlo gesetzt hätte. Und in mühevoller und kostspieliger Arbeit hat man im Ortsteil Larvotto einen feinsandigen Strand mit gepflegten Badekabinen, einer Ladenstraße und einer großartigen Promenade angelegt, der jedem ohne Eintritt – eine Sensation für Monaco! – zugänglich ist.

Für die reichen Stammgäste dagegen ist das Monte-Carlo-Beach geblieben, jenes an der Côte d’Azur einmalige Ensemble von Luxushotel, Schwimmbädern, Meeresstrand, Kabinen mit Bad und Ruhebett, Luxuszelten, in denen man sich opulente Menüs servieren läßt, und rassigen Bienen, die – wie überall in der Welt – Nektar aus Brieftaschen saugen.

Monaco wandelt auf dem schmalen Grat zwischen Massentourismus und Exklusivität. Fürst Rainier: „Wir werden uns nicht um Massentourismus bemühen, sondern jene Leute interessieren, die genügend Geld für Freizeit und Erholung haben –, die obere Mittelschicht also.“