Während Oppositionsführer Rainer Barzel noch fest daran glaubte, den Vorsitzenden der CDU-Sozialausschüsse, Hans Katzer, zum obersten Planungskoordinator von Partei und Fraktion inthronisieren zu können, wurden in der Fraktion der CDU/CSU bereits die Messer gewetzt. Ein Mitglied der CDU-Mittelstandsgruppe jedenfalls kommentierte, kurz nachdem Barzel seine Idee per Alleingang in die Welt gesetzt hatte: "So nicht und nicht jetzt." Katzer wurde in der Fraktion nur die Koordination der wissenschaftlichen Fraktionsvorarbeiten und der diversen CDU-eigenen Wissenschaftsinstitute zugebilligt.

Bei dieser Variante hatten die Barzel-Gegner in der Fraktion auch noch einen Hintergedanken. Wäre Katzer Koordinator à la Barzel geworden, so hätte der Repräsentant der CDU-Arbeitnehmerschaft gleich zwei Eisen im Feuer gehabt. Für den Fall, daß Barzel im Oktober vom Parteitag als Vorsitzender der Union bestätigt wird (wozu er die Sozialausschüsse benötigt), wäre Barzel dem linken CDU-Flügel noch stärker als bisher verpflichtet. Zeichnet sich aber bis Oktober eine deutliche Niederlage für Barzel ab, könnte Katzer noch rechtzeitig mit seinem Flügel zu Barzels Gegenkandidat Helmut Kohl umschwenken. Auch in diesem Fall wäre Hans Katzer der zweite Gewinner und könnte unter solchen Bedingungen sogar zum Frak- tionsvorsitzenden avancieren. Denn ob Barzel unter einem CDU-Vorsitzenden Kohl weiter die Fraktion führen will, ist höchst ungewiß.

Die Unruhe in der CDU kommt dem linken Flügel zugute. So zeichnet sich bereits das stille Ende des erst vor zwei Jahren auf dem Düsseldorfer CDU-Parteitag verabschiedeten Mitbestimmungsmodells (sieben Anteilseigner und fünf Arbeitnehmer) ab. Die CDU-Sozialausschüsse waren damals mit ihrem Drei-Bänke-Modell (Parität von Kapital und Arbeit unter Beteiligung des Managements als drittem Faktor) gescheitert. Inzwischen hat auch der Erfinder des sogenannten Board-System Heinz Horn, früher Vorstandsmitglied bei der Felten und Guilleaume AG in Köln, sein Modell in allen zuständigen CDU-Kreisen erneut zur Diskussion gestellt.

Die Tendenz, das Düsseldorfer Modell abzuschreiben, zeichnete sich auch in einer Diskussionsrunde zwischen dem Wortführer der CDU-Sozialausschüsse, Norbert Blüm, dem Vermögensbildner in der CDU, Elmar Pieroth, dem CDU-Professor Kurt Biedenkopf sowie dem saarländischen Wirtschaftsminister Manfred Schäfer ab.

Wolf gang Hoffmann