Der Fahrunterricht in der Bundesrepublik ist nicht optimal und oft zu teuer: Chance für Autodidakten

Von Gerhard Krug

Die Verschärfung der Führerscheinprüfung in der Bundesrepublik seit dem 1. Februar wird für die zukünftigen Autofahrer nicht ohne finanzielle Folgen bleiben: Die Fahrlizenz wird teurer werden. Vor diesem Datum baute sich erst bei zwei falsch beantworteten Vorfahrtfragen das Stopp-Schild auf, heute muß man die schriftliche Prüfung schon nach einem solchen Fehler wiederholen. In der Regel fielen bisher in der Bundesrepublik 25 Prozent durch das Fahrerexamen (in den Großstädten sogar 28) – die Zahlen werden sich erhöhen, die Rechnungen auch. Die Frage lautet: Muß sich der Führerscheinanwärter eigentlich dem Diktat der Fahrschulen beugen, ist er der nicht einmal so seltenen Willkür des Lehrers ausgeliefert, wäre eine staatliche Instanz nicht günstiger, billiger?

Erst einmal: Man muß nicht, und das wissen die wenigsten, das Autofahren bei einer Fahrschule lernen. Um einen solchen „handgestrickten“ Führerschein (ADAC-Jargon) zu erwerben, ist ein Antrag, bei der Behörde erforderlich. Die notwendige Fahrpraxis kann man sich beispielsweise auf einem öffentlichen Übungsplatz zulegen. Nach einer Pflichtfahrstunde bei einer Fahrschule kann sich der Kandidat zur Prüfung melden – im letzten Jahr haben in der gesamten Bundesrepublik freilich nur etwa 50 Examinanden von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht; bei insgesamt 14 Millionen Führerscheinbesitzern eine verschwindend geringe Zahl.

Vom Mechaniker zum Fahrlehrer

Jenseits des Atlantiks, in den USA, liegt der Anteil der Autodidakten ungleich höher. Großzügige Landstriche laden zu Exkursionen ohne Lizenz ein. Versuche bewiesen unlängst: 16jährige Amerikaner erlernen in ein paar Stunden perfekt Auto zu fahren, weil sie sich unbekümmerter als die älteren ans Steuerrad setzen.

Das andere Extrem in diesem Prozeß zur Fahrtüchtigkeit bietet wieder einmal Old Europe: In der Bundesrepublik zum Beispiel haben ältere Frauen und Männer 500 (fünfhundert) und mehr Stunden gebraucht, ehe sie sich zum fahrenden Volk zählen durften, nachdem sie zehn- bis zwölfmal durch die Prüfung gefallen waren. Hier wird, sagen wir es milde, Ungeschicklichkeit teuer, zumal eine Fahrstunde etwa 18 Mark kostet und eine Stunde gar keine ist, sondern nur 20 Minuten dauert – die Uhren der Fahrlehrer gehen anders.