Ein währungspolitischer Friede sollte das Resultat sein. 50 000 Kilometer hat Paul A. Volcker, der Staatssekretär des amerikanischen Finanzministers Shultz, im Flugzeug zurückgelegt, damit er am 11. und 12. Februar mit Valéry Giscard d’Estaing, Helmut Schmidt, Anthony Barber, Giovanni Malagodi in Paris und mit einem japanischen Sonderbotschafter in Bonn die zehnprozentige Dollarabwertung international absichern konnte. Nixon hatte sie an die Voraussetzung geknüpft, daß die wichtigsten europäischen Länder – Frankreich, die Bundesrepublik, England und Italien – nicht ebenfalls abwerten, was den amerikanischen Abwertungsvorteil eingeschränkt oder aufgehoben hätte. Die Japaner, von den Amerikanern als Hauptschuldige für die schlechte US-Handelsbilanz identifiziert, sollten den Kurs des Yen freigeben.

Doch was wie ein Friede gefeiert wurde, entpuppte sich bald als bloßer Waffenstillstand. Schon zehn Tage nach dem „Pakt von Paris“; mußte die Bundesbank abermals in ihre Kassen greifen und Dollar aufkaufen, die Einlaß in die Bundesrepublik begehrten. Schon nach so kurzer Zeit war der Dollar wieder die Währung, die den internationalen Gelddisponenten in Banken und multinationalen Unternehmen Angstschauer über den Rücken jagt.

Als sich der italienische Notenbankpräsident Carli am 22. Februar für ein europäisches Floating einsetzte, kam nicht etwa eine akademische Diskussion darüber in Gang, sondern prompt wanderten wieder Dollarbeträge in die Bundesrepublik, aber auch nach Frankreich, Holland und Belgien.

Diese Nervosität zeigt mit großer Klarheit, daß die internationale Finanzwelt noch nicht daran glaubt, daß der „Pakt von Paris“ einen währungspolitischen Frieden eingeleitet habe. Diese empfindlichen Reaktionen nervöser Gelddisponenten, die gewaltige Summen hin- und herdirigieren können, schaffen für Politiker neue Rahmenbedingungen. Die erste lautet: Die Zeit zwischen zwei Währungskrisen wird immer kürzer. Die zweite lautet: Die rasch aufeinander folgenden ruckartigen Wechselkursänderungen unterscheiden sich nur noch graduell von floatenden Kursen, nicht mehr fundamental. Die Folgen ruckartiger Veränderungen sind aber für die Wirtschaft schmerzlicher.

Vor dem Realignment vom Dezember 1971 kostete ein Dollar 3,66 Mark. Dieser Kurs hatte gut zwei Jahre gegolten. Nach dem Realignment waren nur noch 3,22 Mark nötig, um einen Dollar zu erwerben. Dieser Kurs galt nur dreizen Monate. Seit der jüngsten Dollarabwertung ist ein Dollar schon für 2,90 Mark zu haben. Wie lange wird dieser Kurs gelten?

Wie ein Wetterleuchten kündigten schon Ende Februar die Kurse für den Dollar die Richtung der künftigen Entwicklung an. Nur kurze Zeit nach der Dollarabwertung zogen einige Spekulanten unter Mitnahme des Spekulationsgewinns ihre Dollar aus der Bundesrepublik wieder ab. Diese Nachfrage nach Dollar trieb den Kurs bis zum neuen oberen Interventionspunkt 2,9656 Mark hinauf. Aber schon zwei Tage später war der Kurs auf den unteren Interventionspunkt von 2,8350 Mark gesunken. Dollar wurden wieder angeboten.