Bergisch Gladbach

Es roch nach Slibowitz und Uso, Salami und Schafskäse, Paprika und Oliven: mit dem Duft der eigenen Küche begleiteten Italiener, Spanier, Griechen, Jugoslawen und Türken die Einweihung eines Ausländerzentrums in Bergisch Gladbach, das in seiner Art einmalig ist in Nordrhein-Westfalen. Denn dieses Haus vereint fünf Nationen unter einem Dach. Das Zentrum enthält kleinere Gruppenräume für die einzelnen Nationalitäten und jeweils eine Gemeinschaftsküche und einen größeren Gemeinschaftsraum für Italiener, Spanier und für Griechen, Jugoslawen und Türken.

Ein Umzug hatte diese Einrichtung ermöglicht. Als das Straßenverkehrsamt des Kreises aus der respektablen Baracke auszog und sie der Stadt Bergisch Gladbach zur Verfügung stellte, gab die Kommune das Haus den „stärksten und aktivsten Ausländergruppen“. Die Kosten des Umbaus, die immerhin 146 500 Mark betrugen, kamen hauptsächlich aus öffentlichen Mitteln. Raum- und Ausstattungsprogramm des Zentrums lagen jedoch in den Händen einer Arbeitsgemeinschaft. Neben den städtischen Behörden und den etablierten Wohlfahrtsinstitutionen gehörten ihm auch Vertreter des „Arbeitskreises Soziale Minderheiten“ an.

Dieser Arbeitskreis trat bei der Einrichtung des Ausländerzentrums nicht zum erstenmal an die Öffentlichkeit. Seit bald zwei Jahren macht er in Bergisch Gladbach von sich reden, wenn Probleme der Obdachlosen und der Gastarbeiter anstehen. Entstehung und Aktivität dieses Arbeitskreises sind geradezu beispiellos.

Die Idee zur Gründung ging Mitte 1971 von zwei Studenten aus. Bei ihrer Arbeit in der Volkshochschule Bergisch Gladbach hatten sie im Angebot einen Fehlbedarf für jene Gruppen festgestellt, die sozialen Minderheiten angehören. So kamen sie bei Einheimischen auf Obdachlose und bei Ausländern auf Gastarbeiter. Durch eigene Aktivität wollten sie dem Mangel abhelfen. Mit fünf Freunden gründeten sie den Arbeitskreis. Was das Fähnlein der sieben – alle Studenten – auszeichnete, war die Tatsache, daß sie ehrenamtlich ihre Mitarbeit der Stadt und der Volkshochschule anboten. Sie wurde prompt angenommen.

Der Arbeitskreis konzentrierte sich zunächst auf Sprachkurse für ausländische Arbeiter im Rahmen des Volkshochschulprogramms. Dafür entwickelten sie auch eine eigene Didaktik: Sprechanlässe wie Besuch beim Arzt, Tätigkeit am Arbeitsplatz oder Einkauf. Meint der Sprecher des Arbeitskreises, der 24jährige Wiso-Student Wolfgang Fehl: „Unser Ziel ist die Selbstinitiative des Arbeiters.“ In sogenannten Samstaggesprächen wurde der Sprachunterricht auch auf die Erörterung sozialer Fragen erweitert.

Gleichzeitig widmeten sich die sieben der Nachmittagsbetreuung von Kindern einer Obdachlosensiedlung in Bergisch Gladbach-Sand. Im November 1971 begannen sie – auf gestiftetem Papier – mit der ersten Ausgabe einer sechssprachigen Informationsschrift, die inzwischen siebenmal erschienen ist. In den jeweils 1000 Exemplaren, werden die Ausländer über jene Einrichtungen und Hilfen aufgeklärt, die sie benutzen können.