Rehabilitation: Ein Stück innerer Reform – Mehr Chancen für die Menschen am Rande der Gesellschaft

Von Walter Arendt

Rehabilitation ist für viele immer noch ein Fremdwort, unter dem man sich nichts Rechtes vorstellen kann. Sicher ist vielen dieser Begriff geläufiger als Ausdruck für die Wiederherstellung der Integrität, der Ehre oder der politischen Unbescholtenheit. In neuerer Zeit allerdings gewinnt der Begriff „Rehabilitation“ immer mehr die Bedeutung der umfassenden Hilfe für Menschen, die körperlich, geistig oder seelisch behindert sind und ihre Behinderung oder deren Folgen aus eigener Kraft nicht überwinden können.

Das Verhalten der Staatsbürger gegenüber den Behinderten ist ein sichtbarer Gradmesser für das kulturelle Niveau der Gesellschaft: „Eine Gesellschaft, die alte Menschen und behinderte Menschen aller Art nicht als natürlichen Teil ihrer selbst zu achten und zu behandeln weiß, spricht sich selbst das Urteil. Unsere grundsätzlich auf Leistung und Wettbewerb ausgerichtete Gesellschaft ist nur dann in Ordnung, wenn sie behinderten Menschen volle Achtung, volle Gemeinschaft und ein Höchstmaß an Eingliederung gewährt“ (Bundespräsident Heinemann in seiner Weihnachtsansprache 1970).

Rehabilitation im Sinne einer modernen Sozial- und Gesundheitspolitik ist die von der Gesellschaft getragene und organisierte Hilfe am behinderten Menschen mit dem Ziel, all seine Fähigkeiten zu entfalten und ihm einen Platz in der Gemeinschaft zu sichern; hierzu gehört eine dauerhafte Eingliederung in Arbeit und Beruf.

Im eigentlichen Wortsinn bedeutet Rehabilitation Wiedereingliederung; sie würde also nur denjenigen Behinderten gelten, die durch Unfall oder Krankheit aus ihrem Lebenskreis herausgerissen wurden. Wir verstehen aber heute unter Rehabilitation auch diejenigen Hilfen, die zum erstenmal eine Eingliederung (Habilitation) von Kindern und Jugendlichen zum Ziel haben; außerdem auch präventive Hilfen, die einer drohenden Behinderung vorbeugen oder entgegenwirken sollen.

Unter uns leben weit mehr Behinderte, als gemeinhin angenommen wird: