Feuilleton

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DIE ZEIT

Feier der Erniedrigung

Cierna nad Tisou, Schwarzau an der Theiß, erlebte seinen kurzen welthistorischen Moment im Sommer 1968, als die Führer des Prager Reformkommunismus sich dort mit den Herrn des Kremls trafen.

Wer zuerst schießt...

Israel hat Schuld auf sich geladen. Das einzugestehen mag selbstkritischen Israelis, von denen es genug gibt, weniger schwerfallen als ihren Freunden im Ausland, vor allem den Deutschen.

Die letzten Tage des Gaullismus?

An diesem und dem nächsten Wochenende wählen die Franzosen ihre neue Nationalversammlung. Der Vorgang findet weit jenseits der gallischen Grenzen Aufmerksamkeit.

Rückfall ins Fettnäpfchen

Die Bundesregierung hat sich mit Aplomb ins Fettnäpfchen gesetzt. Nach Protesten aus Berlin, unter dem Druck der öffentlichen Meinung, auf Drängen der Opposition und nicht ohne ingrimmige Nachhilfe aus den Regierungsfraktionen hat sie ihren Beschluß widerrufen, wonach vom 1.

Nach Noten

Ein Programm nach Noten ist für den Besuch von Edward Heath in der Bundesrepublik vorbereitet worden. Gleich zweimal will der britische Premier auf deutschen Orgeln (im Eifel-Kloster Maria Laach und im bayerischen Kloster Ottobeuren) seine Fingerfertigkeit beweisen.

Worte der Woche

„Die europäische Sicherheit ist in der Tat eng mit der Sicherheit im Mittelmeer verbunden. Aber diese beiden Sicherheiten sind ebenso mit der im Südatlantik, im Indischen Ozean, in Lateinamerika, im südlichen Afrika und in Ostasien verbunden.

Zeitspiegel

Auf der Suche nach einem repräsentativen Platz für ihren Bevollmächtigten ist das Auge von DDR-Fahndern am Bonner Petersberg hängengeblieben.

Redegefechte um den Frieden

Er ist eine Frohnatur. Breite Lachfalten ziehen von den Augenwinkeln über das eher hagere Gesicht, wenn Mitchell Sharp, der kanadische Außenminister, einen Witz gemacht hat.

Südvietnam: Probe für die Sicherheit von morgen

Zum Material, das die abziehenden Amerikaner auf ihrem großen Stützpunkt Can Tho im Mekong-Delta zurücklassen, gehört auch ein weggeworfener „pocket guide to Vietnam“, eine Broschüre, die einst den in den Krieg ziehenden GIs in die Hand gedrückt wurde.

Barzels Marsch in die Talsohle

Den langersehnten Urlaub vom Wahl- und Nachwahlkampf wird Hans Katzer nun doch nicht allein seiner Familie widmen können. Fernab von der organisierten rheinischen Fröhlichkeit in der Karnevalszeit muß er sich an der belgischen Küste Gedanken darüber machen, ob und – wenn ja – wie er das neue Amt eines Chefkoordinators zwischen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und der CDU-Parteizentrale ausüben soll.

West-Botschafter in Ost-Berlin: Handtuchhalter aus West-Berlin

Ost-Berlin, Bezirk Pankow, eine Straße, die "Esplanade" heißt. Hier soll es bald international zugehen. Zwölf dreigeschossige Häuser, zum Teil noch im Bau, hat die Regierung als Residenzen für die von der Anerkennungsweile in die DDR gespülten Botschafter vorgesehen.

Mahler-Prozeß: Das Fehlurteil von Moabit

Von dem Urteil, das der Erste Strafsenat des Berliner Kammergerichts am Montag über den Rechtsanwalt Horst Mahler sprach, sind bisher nur die mündlichen Gründe bekannt.

Kritik am Langzeitprogramm

Im Mittelpunkt mehrerer Landes- und Bezirksparteitage der Sozialdemokraten stand am Wochenende das Langzeitprogramm der SPD, das unter dem Titel „ökonomisch-politischer Orientierungsrahmen“ Leitlinien der SPD-Politik bis 1985 festlegen.

Dokumente der ZEIT: Moskau – Kultur und Kontakte

„... Dabei werden immer wieder Versuche unternommen, die Sache hinzustellen, als wollten die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Länder keinen Ausbau der kulturellen Zusammenarbeit und der Kontakte zwischen den Völkern und keine Verbreitung der Informationen.

Visabeschluß revidiert

Die Bundesregierung hat ihren Beschluß, die Visagebühren für DDR- und Ostberlinbesucher künftig nicht mehr zu bezahlen, zumindest für die Westberliner rückgängig gemacht.

Gaullisten fürchten um ihre Mehrheit

Am 4. März sind rund 31 Millionen französische Wähler aufgerufen, eine neue Nationalversammlung zu wählen. Nach Meinungsumfragen besteht dabei die Möglichkeit, daß die Gaullisten die Mehrheit verlieren.

Zum Einkauf über die Grenze

Bei der Autotour über die Anden hielt unser Fahrer im letzten größeren argentinischen Ort vor der chilenischen Grenze und zog einen Einkaufszettel hervor, den ihm seine Frau zugesteckt hatte.

Scherbengericht über den Sozialismus

Voltaire, der spöttische Skeptiker, urteilte recht apodiktisch: „Die Geschichte legt Zeugnis ab, sie schmeichelt nicht, und das einzige Mittel, die Mitwelt dazu zu zwingen, Gutes von uns zu reden, besteht darin, wirklich Gutes zu tun.

Zwanzig Jahre nach Stalin: Der Geist des Diktators lebt

Vor zwanzig Jahren, am 5. März 1953, starb Stalin. Der Tod des sowjetischen Diktators, der fast drei Jahrzehnte unumschränkt die Geschicke des Landes gelenkt hatte, wurde zunächst als Wendepunkt in der Geschichte der Sowjetunion betrachtet.

Lokalzeit: Kein Maulkorb

Begonnen hatte es mit der Verabschiedung des neuen (und teureren) Flächenzonentarifes bei den Verkehrsbetrieben. Das vorläufige Ende ist ein gewaltiges Wortscharmützel zwischen der „sozial-liberalen Koalition“ im Solinger Stadtrat und der Direktion der Stadtwerke.

Renaissance-Bau in Augsburg: Zeughaus-Zwist

Das ehrwürdige Zeughaus, 1607 vom berühmten Baumeister Elias Holl vollendet, scheint – ein paar Schritte vom großstädtischen Augsburger Einkaufsbetrieb entfernt – im Dornröschenschlaf vor sich hin zu träumen.

Schwestern-Flucht mit Folgen

Noch Ende Januar verglich die Hannoversche Allgemeine Zeitung die neuerrichtete Medizinische Hochschule der niedersächsischen Landeshauptstadt mit Akademgorok, jener sowjetischen „Wissenschaftler-Oase“: „Über die Funktionstüchtigkeit der Hochschule ist kein Wort mehr zu verlieren.

Vier-Millionen-Ding“ in Düsseldorf: Tolle Tage

Eine Woche vor Rosenmontag, dem Höhepunkt rheinischen Karnevals, liefert Nordrhein-Westfalens Hauptstadt Düsseldorf den Stoff für eine Story, bei der die Groteske das Kriminelle zu überspielen droht: Ein „Vier-Millionen-Ding“ ohne vorgehaltene Revolver, ohne spektakuläre Geiselnahme, ohne die geringste Schramme oder Beule.

Verkehrslärm: Ruhe – ein Bürgerrecht?

Ein Hamburger Rechtsanwalt kann nachts nicht schlafen. Verkehrslärm hält ihn wach. Die Blumenstraße im Stadtteil Winterhude, eine kurze, überwiegend mit Villen bebaute Stichstraße zum nördlichen Ende der Außenalster, hat gar nicht viel Verkehr.

Gastarbeiter-Betreuung: Hilfe an der Basis

Es roch nach Slibowitz und Uso, Salami und Schafskäse, Paprika und Oliven: mit dem Duft der eigenen Küche begleiteten Italiener, Spanier, Griechen, Jugoslawen und Türken die Einweihung eines Ausländerzentrums in Bergisch Gladbach, das in seiner Art einmalig ist in Nordrhein-Westfalen.

Abgeordneten-Pension: Taktischer Fehltritt

Es sollte schnell und lautlos gehen. Nun schleppt es sich hin. Der Versuch des bremischen Parlaments, der Bürgerschaft, es den Flächenstaaten gleichzutun und sich als erster Stadtstaat mit einer Abgeordnetenpension selbst zu bedienen, ist vorerst gescheitert.

Abgeordneten-Pläne: Ins Wasser gefallen

Die wissen wohl nicht mehr, wes Brot, sie essen“, schrieb aufgeregt eine Bürgerin aus einem Stuttgarter Arbeiterviertel, und ein anderer Schreiber war „fast aus dem Bett gefallen“.

Vom Westwall nichts Neues

We gonna hanging our washing on the Siegfried-Line“ sangen alliierte Soldaten während des Zweiten Weltkrieges. Sie meinten damit jene Festungslinie aus Beton und Eisen, die Adolf Hitler 1936 als westlichen Verteidigungswall zwischen Kehl und Aachen aus dem Boden stampfen ließ.

Historischer Realismus

Es war wie ein Donnerschlag, als der Hamburger Historiker Fritz Fischer 1961 sein epochemachendes Buch „Griff nach der Weltmacht“ auf den Markt brachte.

Das Buch der Revolutionen

Das Kommunistische Manifest ist eine der hinreißendsten politischen Kampfschriften der Weltgeschichte. Auftragsarbeit eines damals noch wenig bekannten deutschen Intellektuellen, bestellt von einem obskuren revolutionären Verein deutscher Arbeiter in London, hat es zwar auf die bürgerliche Revolution von 1848 kaum schon einen Einfluß ausüben können, ist aber seither in zahlreichen Revolutionen benutzt und zitiert worden.

Der Fall Raddatz: Bleibt unerklärlich

In der ZEIT Nr. 7 vom 9. Februar brachten wir einen Artikel über die vom niedersächsischen Kultusministerium abgelehnte Berufung des Literaturwissenschaftlers Fritz J.

Zeitmosaik

Auch die zweite Instanz, das Oberlandesgericht Stuttgart, hat dem Luchterhand-Verlag recht gegeben und damit bestätigt, daß er mit dem sowjetischen Schriftsteller Alexander Solschenizyn einen auch hierzulande rechtswirksamen Vertrag geschlossen und, damit das alleinige Recht erworben habe „zur Vornahme, Vervielfältigung und Verbreitung“ einer deutschen Übersetzung des Romans „August 1914“.

Kunstkalender

Die italienische Botschaft in Bonn hat die Ausstellung organisiert, die vom Rheinischem Landesmuseum nach Saarbrücken und Hannover weitergeht.

Filmtips

Im Fernsehen: „Fettklößchen“ (UdSSR 1934) von Michail Romm (Bayern III 7. März). Romms erste eigene Arbeit ist eine exzellente Verfilmung der Novelle „Boule de suif“ von Guy de Maupassant.

Schallplatten

Der deutsche Schlager sei gar nicht schlechter, meist besser als der ausländische? Jedes dieser fast durchweg angelsächsischen Lieder ist einfallsreicher erfunden, und ich wüßte auf Anhieb keine deutsche Schlagersängerin zu nennen, die es mit Dusty Springfield aufzunehmen vermöchte.

Eine Antwort an Golo Mann: Wer war Nelly?

Aber wenn ich die Lebende nicht länger halten konnte“, schrieb Heinrich Mann am 3. Januar 1945 aus Los Angeles an Frau Rottenberg, „die Tote ist bei mir.

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