Gefährden die multinationalen Unternehmen den Wettbewerb und den freien Welthandel?

Von Helmut Arndt

Die nationalen Gewerkschaften, die Steuerbehörden und Notenbanken beobachten argwöhnisch das Verhalten der multinationalen Unternehmen. Die US-Handelsbehörde stellte kürzlich in einer Studie fest, daß die international tätigen Konzerne über eine Finanzmasse von 268 Milliarden Dollar verfügen. Nur ein Bruchteil dieser Summe würde ausreichen, um jedes Land in eine Währungskrise zu stürzen. Für Professor Helmut Arndt, Berlin, sind die „Multis“ eine große Gefahr für die freie Weltwirtschaft.

Multinationale Konzerne und internationale Kartelle haben schon in der Endphase der Weimarer Republik in der Wahlkampfpropaganda radikaler Parteien eine nicht zu übersehende Rolle gespielt (wie überhaupt das Bündnis zwischen Nationalsozialisten und „Bigbusiness“ erst nach der Machtergreifung eine Rolle spielte, was heute vielfach in Vergessenheit geraten ist). In der wirtschaftswissenschaftlichen Auseinandersetzung waren hingegen – vielleicht deshalb, vielleicht trotzdem – multinationale Konzerne und internationale Kartelle bis in die Gegenwart hinein ein „heißes Eisen“, das niemand so recht anzufassen wagte.

Das Versagen der Ökonomen machte es damals – und macht es auch heute noch – relativ leicht, von der Weltherrschaft internationaler Monopole oder von „geheimen Mächten“ zu reden, von denen die westliche Welt regiert werde und deren Regime sich nicht ohne Revolution – nach dem Vorbild Lenins, Maos oder Castros – zerstören lasse. Gleichzeitig aber verhinderte die Enthaltsamkeit der Ökonomen, daß tatsächlich vorhandene Gefahren, die sich für die Existenz einer, freien Welt mit freiem Handel ergeben, nicht erkannt und daher auch wirtschaftspolitisch nicht gemeistert werden konnten.

Spätestens seit der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre, weitgehend aber auch schon seit den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts, ist es überdies üblich geworden, die Beteiligung am Welthandel unter nationalen Gesichtspunkten zu sehen. Vom Schutz der nationalen Arbeit in der Ära Bismarcks und vom Abwehrkampf gegen „internationale Verknechtung“ in den dreißiger Jahren, der ebenfalls keineswegs auf Deutschland begrenzt war, findet diese Betrachtungsweise ihren bisher letzten Höhepunkt in Jean-Jacques Servan-Schreibers „Amerikanischer Herausforderung“. Immer steht die Sorge um „nationale Belange“ vor Überfremdung und vor ausländischer Ausbeutung im Vordergrund.

Die machtlose Notenbank