In Dortmund herrscht wieder Ruhe. Statt eines heißen Wochenendes mit Demonstrationen und Spruchbändern, mit Protestmarsch und klassenkämpferischen Reden erlebte die Stadt einen ganz gewöhnlichen Samstag mit dem obligaten Einkaufsbummel der Hoesch-Arbeiter, die gerade keine Schicht hatten.

Die Stahlarbeiter wollten auf die Straße gehen, weil der Vorstand der Hoesch-Werke acht von ihnen, darunter zwei Betriebsräte, auf die Straße gesetzt hatte. Es sollte ein Exempel statuiert werden gegen einige „Rädelsführer“ der wilden Streiks vor zwei Wochen.

Aufgeschreckt ob der Unruhe in der Belegschaft, diesmal eifrig geschürt von Agigatoren der DKP, eilten Mitglieder des Hauptvorstandes der IG Metall nach Dortmund, um mit dem Hoesch-Vorstand zu verhandeln. Denn diesmal mußten sie befürchten, die Fäden nicht mehr in der Hand behalten und die Kollegen beruhigen zu können wie noch zwei Wochen zuvor. Sie beschworen den Vorstand, die Lunte am Pulverfaß auszutreten, bevor es explodiere. Er kapitulierte denn auch und machte „trotz großer Bedenken“ die fristlose Kündigung der acht Arbeiter rückgängig.

Den Hoesch-Managern sei ins Stammbuch geschrieben, was die alten Römer schon wußten: Was du auch, tust, tue es klug und bedenke das Ende

bm