Im Mittelpunkt mehrerer Landes- und Bezirksparteitage der Sozialdemokraten stand am Wochenende das Langzeitprogramm der SPD, das unter dem Titel „ökonomisch-politischer Orientierungsrahmen“ Leitlinien der SPD-Politik bis 1985 festlegen. soll. Die Mehrheit der Delegierten kritisierte den vorliegenden Entwurf. Vor allem wurde bemängelt, daß darin eine Analyse der Herrschaftsverhältnisse in der Bundesrepublik und ihrer ökonomisch-politischen Widersprüche fehle.

In den Resolutionen zeigte sich die Handschrift der Jungsozialisten, die an der SPD-Basis vordringen. Die ursprüngliche Konzeption dieses Parteiauftrages von 1970 – langfristige gesellschaftspolitische Zielsetzung auf der Grundlage des Godesberger Programms von 1959 – genügt ihnen nicht mehr.

So wurde in München die „Demokratisierung der Gesellschaft in allen Bereichen und die Befreiung der Bürger von wirtschaftlichen Zwängen“ gefordert. In Eckernförde verlangte der alte und neue Landesvorsitzende Jochen Steffen eine Veränderung der Gesellschaft in sozialistischer Richtung, aber „in Freiheit und durch Freiheit“, wobei er das Wort Klassenkampf freimütig verwendete,

Bundesfinanzminister Schmidt als Leiter der Programmkommission erklärte am Dienstag, die SPD müsse einen neuen Entwurf ausarbeiten. Er begründete dies mit der Fülle der Diskussionsbeiträge, Zugleich warnte er davor, „daß manche Delegierten innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Vorstellungen entwickeln und eine Sprache dabei sprechen, die beide von der großen Masse unserer Wählerschaft... weder ganz verstanden noch ganz gebilligt werden können“,

Die fünf Landes- und vier Bezirksparteitage dienten personell und sachlich der Vorbereitung für den SPD-Parteikongreß vom 10. bis 14. April in Hannover. Auf dem Berliner Landesparteitag erlitt der linke Flügel eine Schlappe. Seine Kandidaten fielen bis auf Harry Ristock bei den Vorstandswahlen durch. In Dieburg/Südhessen attackierte die dominierende Linke unerwartet heftig den Wiesbadener Koalitionspartner FDP.