Der College Boom schlägt, nach den USA, nun auch in Kanada um. Heute müssen junge Wissenschaftler mit Doktorhut bis zu hundert Bewerbungen schreiben, ehe sie, vielleicht, eine Stellung an einer Oberschule bekommen; noch vor fünf Jahren hätten sie bei gleichen Qualifikationen College Professor werden können. Neben Wissenschaftlern im Fach Englisch, wo es immer schon zuviel Studenten gab, sind nun die Sektionen der Fremdsprachen besonders betroffen, auch das Deutsche.

So hatte sich die "Canadian Association of University Teachers of German", der Dachverband der kanadischen Germanisten mit etwa dreihundert Mitgliedern von rund fünfzig kanadischen Universitäten und Colleges schon 1970 zu der Empfehlung gezwungen gesehen, die Zahl ihrer Deutsch Doktoren drastisch zu vermindern. Doch da die Departments finanzielle "Kopfquoten" nach der Zahl ihrer Examenskandidaten erhalten, drücken sich manche Hochschulen um die Anregung ihres Dachverbandes aus Winnipeg. Montreal ist ein Paradebeispiel dafür. Es gibt hier fünf Universitäten; an dreien spricht man Englisch, an zweien Französisch. Während zwei der englischen Hochschulen — die frühere Jesuitenhochschule Loyola of Montreal und die neuere Sir George Williams University — zu fusionieren versuchen, behauptet sich derweil noch die gewichtige McGill Universität.

Ihre Führungsrolle möchte das DeutschDepartment dieser Hochschule freilich auch am Goethe Institut Montreal spielen "Gebt uns siebzig Prozent der Lehrstellen am Institut, oder schließt am 1. März 1973" lautet die Parole, die die "Interessengemeinschaft der Dozenten der deutschen Abteilungen an Montrealer Universitäten" (IDDAMU, von Anglophonen nachlässig a genannt) ausgegeben hat. Wie konnte es zu einer solchen Forderung an ein ausländisches Kulturinstitut kommen? Als das Goethe Institut seine Arbeit vor elf Jahren begann, arbeitete sein Direktor Dr. Genzel mit dem Chairman des Deutsch Departments von McGill, Dr. Armin Arnold, zusammen. Bei rasch wachsender Schülerzahl schien es selbstverständlich zu sein, Professoren und Lehrassistenten als Sprachlehrer ans Goethe Institut zu delegieren. So jedenfalls sehen es die einen. Die Interpretation der anderen heißt, die McGill Germanisten versuchten, das "Goethe Haus" zu einer Filiale ihres Deutsch Departments zu machen. Gründungsdirektor Genzel, zurück in Deutschland, schweigt dazu; seine Frau hat bei Dr. Arnold promoviert und war dort Assistant Professor.

Der seit 1970 amtierende neue Direktor hat den acht Jahre lang in Montreal bestehenden Status quo unter den Germanisten jedoch geändert, was wiederum unterschiedlich beurteilt wird. Sagen die einen, der neue Direktor habe seinem Institut mit diplomatischem Geschick wieder zur Selbständigkeit gegenüber der McGillUniversität verholfen, so meinen die anderen, er habe wohlverdiente Professoren "entlassen" und statt ihrer junge Lektoren "importiert", überdies "unqualifizierte" Lehrpersonen wie Volksschullehrer aus der Bundesrepublik.

Als 1972 die Münchner Zentralyerwaltung des Goethe Instituts einen Vermittler schickte, wäre der Streit beinahe beendet worden, wenn der Abgesandte die Abmachungen schriftlich fixiert hätte und nicht zu früh abgereist wäre und wenn nicht auch der Direktor nach Stockholm versetzt worden wäre. Der Germanistenstreit lebte wieder auf, mit eher seltsamen Erscheinungen.

Erstens verlangen die Universitätsgermanisten eine der Universität angeglichene Horiofierung, also wesentlich mehr als 15 oder 18 Dollar je Sprachunterrichtsstunde. Aber:das implizierte ja, sagen die Skeptiker, daß es sich beim GoetheInstitut um ein Universitäts institut handele. Zweitens gibt es den Vorwurf der "Konkurrenzierung". Nach Auskunft des Goethe Instituts nehmen im Jahr über fünfhundert Kanadier an seinen Sprachkursen teil; davon sind 52 Prozent Angestellte, darunter immerhin vierzig Stewardessen. Gerade ihnen jedoch körinten Kursuspreise von 165 Dollar, wie sie die Universität verlangt, nicht zugemutet werden — an Stelle von 95 Dollar beim Goethe Institut, das sind 95 Cent die Stunde. Kommerzielle Sprachlehrinstitüte, die sich den Kurs mit 400 Dollar bezahlen lassen, werden dabei nicht als Konkurrenten angesehen. Drittens wird die "Konkürrenzieruiig" als Argument dafür benutzt, die Sprachabteilung des Goethe Instituts zu schließen; achtzig Prozent seiner Schüler würden dann, so spekuliert man, in die Abendprogramme der Universitäten überwechseln. Und so gab es einen Krach.

Am 26. Januar 1973, auf einer Vorstandssitzung des Deutschlehrerverbandes in der Provinz Quebec, wurde denn tatsächlich einem AnDeutschsprachigen sind in dieser Kontroverse unter sich.