Von B. J. Modi

Dacca, im Februar

Wer heute nach Dacca kommt, findet kaum noch Spuren des Krieges, doch leidet das Land unter den indirekten Folgen jener Auseinandersetzung. Die Verwaltung ist unfähig, die Ordnung noch keineswegs etabliert.

Bei der Regierungsübernahme hatte Mujibur keine Wahl: Er mußte sein Kabinett mit Parteipolitikern besetzen, die in diesem Geschäft und auch in ihren Ressorts völlige Neulinge waren. Die politischen Parteien in Bangla Desh waren nicht, wie früher die britischen Kolonien, auf eine eventuelle Machtübernahme vorbereitet worden. Die pakistanische Regierung hatte die Awami-Liga und die anderen Parteien in Bangla Desh stets nur als Rebellen betrachtet; diese hatten daher nie die Chance gehabt, Erfahrungen zu sammeln.

Die Pakistani-Beamten, die zuvor Posten in der Verwaltung innehatten, waren nach dem Krieg geflohen; jene Beamten aber, die aus Bangla Desh stammten und sich während des Krieges in Pakistan befanden, sind zum Teil umgebracht oder interniert worden. So blieb der Regierung gar nichts, anderes übrig, als unerfahrenes Personal einzustellen, das häufig nicht nur unfähig, sondern auch korrupt ist.

Doch die schlimmste Krise, in der sich Mujibur, und seine Exilregierung befanden, als sie im Dezember 1971 nach Dacca zurückkamen; war der Widerstand der Mukhti Bahinis. Diese Freiheitskämpfer, die mit der indischen Armee gegen Pakistan gekämpft hatten und bei der Bevölkerung als Helden gefeiert wurden, waren nicht bereit, ihre Waffen niederzulegen und sich der neuen Regierung unterzuordnen. Mujibur stand vor der Alternative, entweder die Freiheitskämpfer durch die indische Armee niederschlagen zu lassen oder sie in die reguläre Armee zu integrieren. Da die erste Lösung Mujiburs Charakter nicht entsprochen hätte und es auch fraglich gewesen wäre, ob Indien mitgespielt hätte, entschloß er sich für den zweiten Weg.-Zur Zeit ist der größte Teil der Armee von Bangla Desh immer noch in Pakistan interniert. So bilden die Mukhti Bahini die Hauptmacht im Lande. Da aber diese Armee nicht bereit ist, alle Befehle, die ihr erteilt werden, auszuführen, ist sie keine Stütze für die Regierung.

Gleich nach der Machtübernahme versuchte Mujibur, die Industrie, die im Krieg zum Teil zerstört worden war, wieder in Gang zu bringen. Aber dieser Versuch scheiterte am Widerstand der Gewerkschaften. Da die Regierung die gesamte pakistanische Industrie und allen Besitz in Bangla Desh sofort nach Friedensschluß als feindliches Eigentum enteignet hatte, verlangten die in diesen Industrien beschäftigten Arbeiter, der Staat solle ihnen die Fabriken übergeben, mit der Begründung, sie seien 25 Jahre lang von den Pakistani ausgebeutet worden. Die Regierung, die mangels sachkundigen Personals die Industrien nicht selber übernehmen konnte, fürchtete, daß durch eine Übereignung an die Gewerkschaften dem Kommunismus Tür und Tor geöffnet würde. So ist die Industrie derzeit lahmgelegt.