In der Frage des Münchner Abkommens von 1938 verstärken sich die Anzeichen für eine flexiblere Haltung auf tschechoslowakischer Seite. Das bestätigte das Abschlußkommunique zum Besuch des sowjetischen Parteichefs Breschnjew aus Anlaß des 25. Jahrestages der kommunistischen Machtergreifung in Prag.

Darin wird die Forderung der ČSSR unterstützt, daß Bonn die „Nichtigkeit und Rechtswidrigkeit des Münchner Diktats“ anerkenne. Auf die in letzter Zeit von östlicher Seite nicht mehr verwendete Formel „ex tunc“ – von Anfang an – wurde wiederum verzichtet.

Die Vorgespräche zwischen Bonn und Prag über eine diplomatische Normalisierung waren bisher daran gescheitert, daß die Bundesrepublik das Abkommen, zwar für Unrecht und daher für ungültig hält, aber wegen der rechtlichen Problematik die ex-tunc-Forderung Prags nicht akzeptieren will. Der tschechoslowakische Ministerpräsident Husak hat jetzt ebenso wie zuvor Bundeskanzler Brandt betont, bei gutem Willen müsse sich eine akzeptable Lösung finden lassen.