Seit vierundzwanzig Jahren kämpfen Umwelt- und Natur Schützer gegen die Rheinuferstraße in Eltville

ltville steht seit 1949 auf der Tagesordnung derer, die Natur, Landschaft und Umwelt schützen wollen. Worum geht es? Das Rheingaustädtchen braucht eine Umgehungsstraße, weil der Durchgangsverkehr den Ort rettungslos verstopft.

Im Laufe der Jahre wurden mehrere Möglichkeiten diskutiert, wobei sich zwei Alternativen herausschälten. Die eine Möglichkeit war, eine Straße zu bauen, die unmittelbar am Rheinufer entlangführt. Diese Straße zerstört zwangsläufig dieses noch letzte Stück natürlichen Rheinufergeländes. Dort, wo heute noch Menschen unter alten Platanen spazierengehen können, um ein bißchen frische Luft zu schnappen, sollen auf vier Spuren Autos freie Fahrt bekommen. Die zweite Möglichkeit sieht eine Straße vor, die um Eltville im Norden einen großen Bogen schlägt und durch Weinberge führt.

Gegen diese sogenannte Nordlinie machte sich die SPD in Hessen stark. Der für den Straßenbau zuständige Minister war damals Rudi Arndt. Er hatte den örtlichen Winzern versprochen, ihre Weinberge zu schonen. Also wurde, nach einem Machtwort des damaligen Verkehrsministers in Bonn, Georg Leber, entschieden, nicht die Nordumgehung, sondern die Rheinuferstraße zu bauen.

Die Straßenbauer haben mittlerweile ihre Pläne in Eltville ausgelegt. Sie rechnen fest damit, daß es, wie schon beim ersten Planfeststellungsverfahren vor zwei Jahren, Proteste und Beschwerden hageln wird. Zu denen, die sich jüngst in den Reigen der Protestler einreihten, gehört der Autor des „Fröhlichen Weinbergs“, Carl Zuckmayer: „Mit tiefer Besorgnis erfahre ich von dem Projekt, Landschaft, Natur und damit ehrwürdige Ortschaften des Rheingaus durch Superautobahnen zu zerstören. Durch Herkunft und Werk aufs innigste mit dieser Landschaft verbunden, darf ich der Hoffnung Ausdruck geben, daß diese Gefahr abzuwenden ist und eine Lösung im Sinne des Umweltschutzes gefunden werden kann.“

Und eben dies macht Eltville zu einem exemplarischen Umweltschutzfall. Da gibt es Proteste und Einwände, da liegen fundierte Gutachten renommierter Architekten und Landschaftsplaner vor, doch die Bürokratie schert sich den Teufel darum. Sie tut so, als ob all dies nur Schall und Rauch sei. Vor drei Jahren schrieb Karl Korn in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Die Lehre ist klar diese: Alle ideell angesehenen Werte, ob Landschaft oder Bauten, ob Baum, Strauch, Luft und Aue, von einer unerhört schönen, in Jahrhunderten zusammengewachsenen, geschlossenen Bausubstanz nicht zu reden – alle ideell geltenden Werte sind in den Planungen der Ämter zweitrangig.“

Und auch der inzwischen von seinem Amt als Beauftragter der Regierung für den Naturschutz zurückgetretene Professor Grzimek bemerkte resignierend, nachdem er sich immer wieder vehement gegen eine Verschandelung des Rheinufers eingesetzt hatte: „In vielen Fällen besteht zwischen Verbalismus und Handeln eine Kluft. Das gilt sowohl für die jeweils in Gemeinde, Bund oder Land Regierenden als auch für die jeweilige Opposition. Glaubwürdigkeit durch Handeln zu erreichen, bleibt hier wie überall Aufgabe der Politik.“