Hamburg

Ein Hamburger Rechtsanwalt kann nachts nicht schlafen. Verkehrslärm hält ihn wach. Die Blumenstraße im Stadtteil Winterhude, eine kurze, überwiegend mit Villen bebaute Stichstraße zum nördlichen Ende der Außenalster, hat gar nicht viel Verkehr. „Aber deshalb ist bei uns auch kaum Polizei, und darum treten die Autofahrer hier auch kräftig aufs Gaspedal.“

Die Blumenstraße ist nur ein Verkehrsäderchen, und Durchfahrende könnten sie gut meiden, ohne daß sie einen großen Umweg zu machen hätten. Der Rechtsanwalt Dr. Dietrich Mankowski möchte, daß sie zur Schlafenszeit für den Durchgangsverkehr gesperrt wird, und er glaubt, daß der Staat die Pflicht hat, ihm diese Schlafhilfe zu geben. Sie resultiert für ihn aus einem kleinen Passus, den der Bundesrat bei der Neufassung der Straßenverkehrsordnung in deren § 45 eingefügt hat: „Die Straßenbehörden können die Benutzung bestimmter Straßen oder Straßenecken ... zum Schutz der Nachtruhe in Wohngebieten ... beschränken oder verbieten und den Verkehr umleiten.“

Hat der einzelne Bürger daraus den Anspruch auf solchen Schutz seines Schlafes? Diese Frage will Manowski klären. Denn er meint: Ja.

Natürlich ist er nicht der einzige Anwohner der Straße, der sich nachts gestört fühlt. Im Wunsch nach ungestörter Nachtruhe stimmen die Blumensträßler überein. Sie diskutierten ihr Unbehagen – „aber nachdem wir uns einig geworden waren, deshalb keine große Bürgerinitiative zu veranstalten, habe ich mich entschlossen, das mal auf eigene Kahne Bier zu machen“.

Mankowski fing damit im August 1971 an. Er wandte sich zunächst als Bürger an das Bezirksamt. Es war nicht zuständig. Tröstliche Aufklärung meinte ihm der Leiter seines Polizeibezirks geben zu können: „Ich weiß gar nicht, was Sie wollen – das ist der Tribut an den Fortschritt.“

Der Anwalt wandte sich mit Plan und Stadtplan an den Polizeipräsidenten. Im Stadtteil Winterhude und im angrenzenden Harvestehude könnten, meint er, die Wohnstraßen ganz leicht nachts gesperrt und der Verkehr auf die ohnehin vielbefahrenen Durchgangsstraßen beschränkt werden. Die dort entstehende Mehrbelastung falle kaum ins Gewicht, weil zwei Fahrzeuge nur ein oder zwei Dezibel mehr Geräusch machen als eins – und, entsprechend, etliche mehr nicht wesentlich mehr. Der Polizeipräsident sah in dem Plan „einen konstruktiven Beitrag, der aber in Hamburg nicht anwendbar ist“.