Der Süden der Sowjetunion ist reich an Zweikampf-Sportarten, die sich alle als eine Art Ringen darstellen, aber erhebliche Unterschiede zum Ringkampf im klassischen oder freien Stil aufweisen. Die Usbekier kennen Kuras, in Aserbeidschan werden Gjules und in Armenien Koch gepflegt, Zweikampf-Sportarten, die zum Teil auf eine Jahrhunderte lange Tradition zurückblicken können.

Vor gut vierzig Jahren unternahmen Sportinstrukteure in der Sowjetunion den Versuch, aus diesen verschiedenen Systemen eine einheitliche Sportart zu schaffen, denn unterschiedliche Regeln der nationalen Ringkampfarten standen einer überregionalen Ausbreitung entgegen. Die auf diese Weise entstandene neue Disziplin nannten ihre Schöpfer Sambo, nach den ersten Buchstaben von Samosastschita besorushija, der Selbstverteidigung ohne Waffen.

Dieser Sport fand in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg sehr schnell Anhänger in der gesamten Sowjetunion, 1933 wurden schon die ersten nationalen Titelkämpfe ausgerichtet. Die Verbreitung des Sambo beschränkte sich allerdings vorerst auf das Gebiet der Sowjetunion. Nach dem Kriege trugen russische Sportlehrer diese Art Ringkampf aber auch nach China und Bulgarien.

Größere Aufmerksamkeit in Europa fand Sambo mit dem ersten Auftreten russischer Judo-Kämpfer bei internationalen Wettbewerben. 1964 auf dem Programm olympischer Spiele. Die auf Prestigegewinn bei großen Sportereignissen bedachten Russen, die im Judo keine Tradition besaßen, sahen sich bei ihren nationalen Zweikampfsportarten um und entdeckten die große Ähnlichkeit ihres Sambo und des japanischen Judo.

Im Judo ist die Zahl der Kampfwürfe größer, die Technik ausgeprägter, doch zeigten die samboerprobten Russen bei ihrem ersten Auftreten bei den Judo-Europameisterschaften 1962 in Essen erstaunliche Fertigkeiten im Bodenkampf und in den Hebeltechniken. Aus dem Reservoir der heute 600 000 Kämpfer starken Sambo-Sektion des sowjetischen Sportverbandes werden in jedem Jahr die besten Athleten ausgewählt, damit sie für die Sowjetunion international um Judo-Ehren streiten. Die Kampfjacke und die kurze Sporthose vertauschen sie dann mit dem Judogi, der traditionellen weißen Sportkleidung aus langer Hose und Jacke. An Stelle der im Sambo üblichen Ringerstiefel aus weichem Leder haben sie die Judomatten barfuß zu betreten.

Trotz ihrer großen Erfolge besaß die Sowjetunion bis vor kurzem noch keinen eigenen Judo-Verband, sondern wurde von Sambo-Funktionären in den internationalen Gremien vertreten. Bei Mitgliedererhebungen der europäischen Judo-Union gab die Sowjetunion ständig die Zahl ihrer Kämpfer mit siebzig an.

Das Vordringen russischer Sambo-Athleten im Judo aber machte Sambo selbst in Europa und Asien bekannt. 1968 erkannte der internationale Ringer-Verband diese Disziplin als dritte Ringkämpfen neben griechisch-römisch und Freistil an. Interesse daran hatten neben den Russen und den Bulgaren auch Japaner, Mongolen, Jugoslawen, Perser, Spanier und Briten bekundet, bis auf Spanien und Großbritannien durchweg Nationen, die auch in den herkömmlichen Ringkampf-Wettbewerben schon eine Tradition besaßen.