Dem Dollar geht es etwas besser. Er habe eine ruhige Nacht verbracht, hört man. Ein neuer Rückfall ist bisher ausgeblieben. Das Dollarfieber ist etwas gefallen. Aber über den Berg ist der Patient noch nicht. Jeden Augenblick kann mit dem Ausbruch einer neuen Krise gerechnet werden. Was könnte sie auslösen?

Etwa: Bedachte und unbedachte Äußerungen. Bundeswirtschaftsminister Friderichs hat vor ihnen bei der Eröffnung der Frankfurter Messe gewarnt. Schweigen und nichts sagen, sagte er, sei die bessere Politik. Es ist kein Geheimnis, daß er dabei an das Gerede über ein gemeinsames EWG-Floating dachte.

Als der italienische Notenbankpräsident Carli so was in Aussicht stellte, wurde der Dollar sofort schwach und mußte mit vereinten Kräften gestützt werden. Zuvor hatte unserer neugebackener Staatssekretär Apel, nichts Arges ahnend, einen gespaltenen Wechselkurs in Aussicht gestellt – prompt löste er damit eine Dollarkrise aus. Neulich forderten ein paar amerikanische Kongreßmitglieder eine Einfuhrabgabe – schon wurde dem Dollar übel, die Bundesbank mußte ihn am unteren Interventionspunkt auffangen. Hätten sie besser geschwiegen!

Recht haben alle mit ihren Mahnungen, den Mund zu halten. Aber genügt das? Gibt es nicht auch ein Schweigen, das sehr beredt sein kann? Könnte es nicht auch schon ein bedeutendes Hüstein geben, das zu weltweiten Spekulationen führt?

„Glauben Sie, Herr Notenbankpräsident, daß es zu einer Aufwertung des ... (beliebig zu ergänzen) kommt?“ Der Präsident hüstelt mit einem vielsagenden Gesichtsausdruck. Ehe er dem etwas hinzufügen kann, ist der Fragesteller schon in der nächsten Telephonzelle verschwunden, um dort eine Weltwährungskrise in Gang zu setzen. Dabei hat es der Notenbankpräsident nur im Hals.

Ähnlich steht es mit dem Räuspern: „Glauben Sie, daß ein Handelskrieg zwischen Amerika und Europa unmittelbar bevorsteht, Herr Staatssekretär?“ Der hat an diesem Morgen schon zwei Zigarren geraucht. Er hüstelt. Das war sein Fehler. Eine Stunde später greifen einige arabische Ölscheichs zu ihren elfenbeinernen Telephonen, um ein paar Millionen lustig herumvagabundierende Dollars unserer Bundesbank in den Rachen zu werfen, die daraufhin sofort Schluckbeschwerden bekommt.

Da fragt ein europäischer Journalist den Chef der japanischen Staatsbank, wie lange Japan den Yen noch floaten lassen will. Der zwinkert mit dem rechten Auge. Das tut er schon seit seiner Kindheit. Aber wer weiß das schon außerhalb Japans? Was wissen wir überhaupt über den Fernen Osten? Da klafft ja eine schreckliche Informationslücke. Und das rächt sich jetzt.