Deutschlands viertgrößte Agentur gab ihre Selbständigkeit auf

Wir Deutschen," so hatte Wolfgang Vorwerk, Geschäftsführer der Düsseldorfer Werbeagentur Team, 1969 selbstbewußt verkündet, "sind so gut, daß wir eines Tages auch in der Madison Avenue Fuß fassen können." Nun ist es soweit: Team zieht in New Yorks Werbezentrum ein. Der Stuhl freilich war schon vorgewärmt. Denn den Sprung ins Werbedorado haben die Düsseldorfer ihrem neuen Mehrheitsgesellschafter zu verdanken: der US-Agentur Batten, Barton, Durstine & Osborn (BBDO). Sitz von BBDO: New Yorks Madison Avenue.

Am 1. März wird – rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres – BBDO mit 71,5 Prozent an Team beteiligt. Die restlichen 28,5 Prozent bleiben zu gleichen Teilen bei acht deutschen Gesellschaftern. Die beiden Partner sind sich indes nicht fremd. Schon Anfang 1971 hatte BBDO an Deutschlands "kreativster Agentur" (das ergab eine Befragung unter Werbeleitern deutscher Markenartikelunternehmen) eine Minderheitsbeteiligung von 20 Prozent erworben. Die viertgrößte bundesdeutsche Agentur (Umsatz 1972: 161,1 Millionen Mark) geht damit an Amerikas viertgrößtes Unternehmen der Branche (Umsatz 1972: 323 Millionen Dollar). An Arbeitsweise und Organisation freilich, so versichert Dieter Schröder, stellvertretender Geschäftsführer in Düsseldorf, soll sich auch künftig nichts ändern.

Die Amerikaner haben eine Braut geworben, die sich sehen lassen kann. Unter den zehn größten deutschen Agenturen ist Team die jüngste: Sie wurde erst 1956 gegründet. Und seither ging’s bergauf. Mit den Kampagnen für das Deutsche Krawatten-Institut ("Krawatten-Muffel"), dem Tchibo-Mann für die Hamburger Kaffeerösterei Max Herz und die Wodkamarke "Puschkin" brachten sich die Düsseldorfer ins Gespräch und in die Top-Ten-Liste deutscher Agenturen.

Bereits zehn Jahre nach dem Start etablierten sich die Teamleute mit einem Umsatz von 46 Millionen Mark auf Platz 14 unter den deutschen Agenturen. 1969 durchbrachen sie die "Schallmauer" von 100 Millionen Mark und nahmen Platz sechs ein. Und seit 1970 rangieren die rheinischen Werber auf Platz vier.

Ende der 60er Jahre wurde, so der Branchendienst werben & verkaufen, "die Ära heftigen Töchtergebärens eingeläutet". Es entstanden Special Team, Technical Team (zuständig für Industriewerbung), Informatik Team und Team im Park. Zudem wurde das Team-Stammhaus in drei selbständige Beratungsgruppen (Team 1, 2 und 3) gegliedert. Jedes Team hat eine eigene Geschäftsleitung und vereint Beratungs- und Kreativitätsarbeit unter einem Dach. Doch die Düsseldorfer drängte es auch ins Ausland: Es entstanden Töchter in Paris, Mailand und Wien.

Das rasante Wachstumstempo brachte indes die Organisation in einige Unordnung. Zudem erschwerte die knappe Kapitaldecke eine weitere Expansion. Folge: Ein kapitalstarker Partner schien den Düsseldorfer Werbern angebracht,