In sachlich-entspannter Atmosphäre, aber mit grundsätzlichen Meinungsunterschieden über die Frage der Friedenssicherung begann am Montag in Paris die Vietnamkonferenz, die 30 Tage nach Inkrafttreten des Waffenstillstandsabkommens einzuberufen war (Art. 19).

Teilnehmer der auf fünftägige Dauer veranschlagten Konferenz sind die vier ehemaligen Kriegsgegner und die vier Länder, die die internationale Überwachungskommission stellen: Kanada,Polen, Ungarn, Indonesien; außerdem England, Frankreich, China, die Sowjetunion und, als 13. Mitglied, der UN-Generalsekretär. Den Vorsitz führen abwechselnd der Außenminister Kanadas, Mitchell Sharp, und sein polnischer Kollege Stefan Olzowski.

Die Differenzen entzündeten sich an dem kanadischen Vorschlag, über die in Vietnam bestehenden Kontrollinstanzen hinaus ein neues internationales Schiedsorgan zu schaffen, das im Falle von Friedensverletzungen angerufen werden könne.

Außenminister Sharp drohte mit dem Auszug aus der Kommission, wenn eine solche Instanz nicht binnen sechzig Tagen eingesetzt würde. Sharps Vorstoß ziehe darauf, daß der UN-Generalsekretär Waldheim die Autorität einer solchen Kontrollinstanz verkörpern und in Notfällen berechtigt sein sollte, die Indochinakonferenz wieder einzuberufen. In abgemilderter Form schlossen sich die Vereinigten Staaten dem Vorschlag an.

Der Hauptwiderstand kam von seiten Nordvietnams und des Vietcong. Beide Delegationen betonten, daß zur Überwachung der Waffenruhe und zur Garantie der nationalen Rechte in Vietnam bereits ausreichende Sicherungen und geeignete Gremien vorhanden seien. Eine zusätzliche Instanz werde die Lage in Vietnam nur noch verwickelter machen.

Das Waffenstillstandsabkommen von Ende Januar stützt diese Auffassung insoweit, als die Tätigkeitsdauer für die internationale Überwachungskommission zeitlich nicht begrenzt worden ist – es sei denn, daß die Vietnamkonferenz, wie Art. 18b verheißt, „endgültige Maßnahmen“ trifft. Dazu aber bestand in diesem schwierigsten Konferenzproblem bei der Mehrzahl der Delegationen keine im Sinne Kanadas artikulierte Bereitschaft. Andererseits bekannten sich alle Außenminister in Grundsatzerklärungen dazu, die vereinbarte Waffenruhe in einen beständigen Friedenszustand einmünden zu lassen.

Während am Pariser Konferenztisch über die Friedenssicherung debattiert wurde, fehlt es in Vietnam selbst immer noch an den elementaren Voraussetzungen zum Frieden. Beide; Seiten beschädigten einander zahlreicher Verletzungen der Waffenruhe. In Hue wurden acht nordvietnamesische Mitglieder der Militärkommission von wütenden Demonstranten verletzt. Der Gefangenenaustausch stagniert.