Düsseldorf

Eine Woche vor Rosenmontag, dem Höhepunkt rheinischen Karnevals, liefert Nordrhein-Westfalens Hauptstadt Düsseldorf den Stoff für eine Story, bei der die Groteske das Kriminelle zu überspielen droht: Ein „Vier-Millionen-Ding“ ohne vorgehaltene Revolver, ohne spektakuläre Geiselnahme, ohne die geringste Schramme oder Beule.

Da sind die vier Angestellten der „Deutsche Sicherheits-Transporte GmbH“ (DST), die den Auftrag haben, rund vier Millionen Mark von der Landeszentralbank zur kaum einen Steinwurf entfernten Commerzbank zu bringen. Zwei der vier haben bereits wenige Wochen zuvor – am 12. Februar – für Schlagzeilen im Blätterwald gesorgt. Sie haben auf einer Kreuzung mitten in Düsseldorfs City 820 000 Mark aus ihrem kugelsicheren Transporter per Hecktür verloren und es nur der Ehrlichkeit dreier biederer Müllmänner zu verdanken, daß die gesamte Barschaft zum Eigentümer zurückgefunden hat.

Der kaum überstandene Schrecken freilich scheint – sich nicht in Appetitlosigkeit niedergeschlagen zu haben: Als am Morgen des 26. Februar das ihnen anvertraute Panzerauto mit den vier Millionen Mark bestückt ist, treibt es sie zunächst einmal zwecks Frühstückseinnahme in die Kantine. Mißtrauen keimt auch dann noch nicht, als einer ihrer Kumpel – zum 31. März wegen Schlamperei gekündigt – plötzlich die Hand zum Magen nimmt und unter dem Vorwand, etwas gegen die Übelkeit zu tun, das Quartett verläßt.

Als das verbliebene Trio wohlgestärkt zurückkehrt, ist besagter Kumpel Günter Heinemann, 29 Jahre alt, sympathisch dreinblickend und auch sonst von gewinnendem Wesen, verschwunden. Mit ihm das vier Millionen schwere Auto.

Die Restmannschaft wird immer noch nicht stutzig, glaubt an einen pflichtbewußten Alleingang ihres Kollegen und klappert zunächst beharrlich sämtliche Düsseldorfer Filialen der Commerzbank ab. Als das vergeblich ist, schwant den dreien schließlich doch Unheil: Sie verständigen – 40 Minuten, nachdem Günter sich abgesetzt hat – die Polizei.

Und diese 40 Minuten geben dem „Millionen-Heinemann“ Gelegenheit genug, exakte Spuren zu verwischen, das Geld in einen Pkw umzuladen und zunächst einmal zu verschwindend Die 3,8 Millionen – der Rest wird wenig später in dem verlassenen Panzerauto gefunden und sichergestellt – sind in drei Taschen untergebracht und wiegen rund 70 Kilogramm. Hunderte von Polizeibeamten riegeln die Ausfallstraßen ab, nehmen jeden Fluggast unter argwöhnische Lupe, stehen an jeder Bahnhofssperre – Günter scheint samt Millionen wie vom Erdboden verschwunden.

24 Stunden nach dem Millionen-Ding weiß die Kripo der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt so wenig wie zuvor. Und vor den Sonderaushängen der Zeitungen erinnert man sich schmunzelnd daran, daß die Tage vor Rosenmontag in Düsseldorf schon immer etwas Besonderes zu bieten hatten. Etwa die 12 Millionen Steuergelder, die Friedrich Wilhelm Ermisch dem Fiskus abzuluchsen wußte. Oder die sieben Millionen Lösegeld, die Ex-Anwalt Heinz Joachim Ollenburg vor Jahresfrist vom Supermarkt-Millionär Albrecht einstrich ... Hans Pluschke