Warum die Automobilindustrie auch in diesem Jahr in schöner Eintracht die Preise erhöhen konnte Autoindustrie: Und sie kaufen doch ...

Von Rolf Diekhof

Die mächtigste Lobby der deutschen Autofahrer, der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC), übte zwar harsche Kritik an der Bundesregierung, weil sie die Mineralölsteuer um fünf Pfennig heraufsetzen will, ging aber mit der Autoindustrie nur milde ins Gericht: Man möge doch die 19 Millionen Autofahrer in der Bundesrepublik nicht als Melckühe betrachten.

Und die seit Ende 1969 nun schon zum sechstenmal mittels Preiserhöhungen Gemolkenen zeigten sich auch völlig unbeeindruckt. Die Aufkäufer verhalten sich genau so, wie es die Industrie schon zur Jahreswende vorausgesagt hat: Sie kaufen mehr Autos als im vorigen Jahr. Trotz Schneegestöber läuft das wichtige Frühjahrsgeschäft bei allen Herstellern prächtig an.

Vorsichtig hatte die Adam Opel AG am 23. Januar die neue Preiswelle der Autoindustrie psychologisch vorbereitet. Offiziell verlautbarte das Unternehmen, daß weder „Ausmaß noch Zeitpunkt von Preiserhöhungen“ feststünden. Am 30. Januar kündigte Achim Diekmann, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Preiserhöhungen von drei bis fünf Prozent als „rechnerisch durchaus zu vertreten“ an. Am 1. Februar ließ Opel die Preise über Diekmanns rechnerischen Horizont steigen – um durchschnittlich 5,7 Prozent.

Die Konkurrenten folgten dem Schrittmacher aus Rüsselsheim: Audi NSU und Ford korrigierten die Preisschilder im Durchschnitt um 5,4 Prozent nach oben, BMW folgte mit 4,25 und VW mit 4,4 Prozent. Abseits steht nur noch die schwäbische Nobelmarke Mercedes. Daß auch sie teurer werden wird, ist bereits angekündigt, es fragt sich nur, um wieviel: Die feinen Stuttgarter bezahlen ihr Zaudern täglich mit einem entgangenen Gewinn in Millionenhöhe.

„Konzertierte Aktion“