Französischer Städtebauer mit antiken Vorbildern – Die Attraktion liegt im Dorf

Von Kai Krüger

In Frankreich versucht ein Architekt, Städte zu bauen, in denen man sich erholen, wohnen und arbeiten kann.

Fünf Minuten lang stapfte er durch den Sand. Dann sagte er: „D’accord“ – abgemacht. Er hatte den Sand gekauft, fünfundzwanzig Hektar davon für eineinviertel Million Mark. Architekt François Spoerry, 60, aus dem elsässischen Mulhouse heute: „Es war die schnellste Entscheidung meines Lebens.“

Die Eile war unbegründet. Sieben Jahre lang hatte man sich vergeblich bemüht, für das flache, versandete Vorland am Fuße des Golfs von St.-Tropez einen Käufer zu finden. Selbst der niedrige Preis von fünf Mark pro Quadratmeter reizte niemanden. Auch als Spoerry kam, war weit und breit kein anderer Interessent in Sicht. Das Ödland paßte nicht ins attraktive Bild der Côte de Provence, das von grünen Bergen, braun verwittertem Fels und einem tiefblauen Himmel geprägt wird.

Doch den Elsässer schmerzt nicht die Eile, mit der er damals vor zehn Jahren kaufte, sondern die Vorsicht: „Hätte ich doch gleich alles genommen.“ Inzwischen hat er alles, doch mußte er für die restlichen zehn Hektar weit tiefer in die Tasche greifen.

Er selbst hatte den Preis für die Mini-Wüste an der Mittelmeerbucht in die Höhe getrieben. Seit seinem sechsten Lebensjahr hatte er davon geträumt, in einer Stadt zu leben, in der man vom Haus direkt ins eigene Boot steigen konnte. Diese Stadt hat er im Golf von St.-Tropez aus jenem Sand gestampft, den keiner haben wollte: Port Grimaud, zu deutsch Grimaud Hafen, mit zweitausend Wohnungen und Häusern für fast zehntausend Menschen, jedes Haus mit Bootsliegeplatz davor und einem Garten statt Garage dahinter. Die Autos werden vor dem Stadttor abgestellt.