Mainz

We gonna hanging our washing on the Siegfried-Line“ sangen alliierte Soldaten während des Zweiten Weltkrieges. Sie meinten damit jene Festungslinie aus Beton und Eisen, die Adolf Hitler 1936 als westlichen Verteidigungswall zwischen Kehl und Aachen aus dem Boden stampfen ließ. Ob alliierte Soldaten ihre Wäsche tatsächlich am Westwall getrocknet haben, ist nicht überliefert.

Aber die Alliierten ließen die Westwall-Anlagen gleich nach Kriegsende in die Luft jagen. Doch mit der Sprengung war der Westwall nicht verschwunden. Jetzt standen statt der Bunker Betonbrocken in der Gegend herum.

Über 20 000 Bunker waren ab 1936 im Gebiet der heutigen Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland an der sogenannten Hauptkampflinie (HKL) errichtet worden; Inzwischen, 28 Jahre nach Kriegsende, sind in Rheinland-Pfalz rund 1600 der 10 000 Bunker beseitigt. Etwa 500 hatten die Bauern gleich nach Kriegsende selbst abgetragen; zum einen, um die damals raren T-Träger zu bekommen, zum ändern, um Feldwege zu befestigen.

1951 stellte dann der Bundesgerichtshof fest, daß der Bund Eigentümer der-Bunker sei; denn die Grundbesitzer hatten in einer Erklärung gegenüber dem Deutschen Reich der Duldung der Westwallanlagen auf ihren Grundstücken „auf unbestimmte Zeit“ zugestimmt.

Die Bundesregierung machte sich dann 1957 daran, ein „Bunkerbeseitigungsprogramm“ aufzustellen, Kosten: 100 Millionen Mark. In Rheinland-Pfalz haben sich inzwischen mehrere Firmen ganz auf die Beseitigung der ehemaligen Weitwall-Anlagen spezialisiert. Es sind zumeist die gleichen Firmen, die sie 1936 errichteten und die sie nach Kriegsende unter Aufsicht der Alliierten sprengen mußten. Kommentiert Jürgen Michaelis, Pressesprecher im Mainzer Finanzministerium: „Die wissen wenigstens, wie sie die Dinger am besten knacken können.“

Das Programm des Bundes sah für die Westwall-Anlagen vier Dringlichkeitsstufen vor. Die 400 Bunker der Stufe I waren sofort zu beseitigen. Das waren Bunker, die an Flußläufen den natürlichen Lauf des Wassers hemmten und Überschwemmungen verursachten, die den Straßenbau oder die Entwicklung der Gemeinden behinderten oder die ständig neue Schäden verursachten. Sie sind inzwischen alle dem Erdboden gleichgemacht.