Algerien ist ein gefährliches Land! Seien Sie vorsichtig! Gehen Sie nie allein in die Altstädte, sonst verschleppt man Sie noch in einen Harem!“ Gute Wünsche wohlmeinender deutscher Bürger vor Antritt meiner Algerienreise. Für sie ist Algerien Wüste,, wilde Tuaregs, Kamele, Freiheitskämpfer, die in den Altstädten Europäer ermorden, Hammel, umherziehende Nomaden, Schmutz und Armut und eine korrupte Militärregierung. Sie kennen noch nicht das neue Algerien mit seiner aufblühenden Wirtschaft, seinen Fünf- und Sieben-Jahres-Plänen, der Agrarreform, den Bildungsanstrengungen und den Bemühungen um den Tourismus.

Aber obwohl seit mehr als zehn Jahren Frieden ist mit den Europäern, war gerade das Verhältnis zu den Deutschen nicht immer ungetrübt. Als die Bundesrepublik 1965 Israel anerkannte, brach das palästinenserfreundliche Algerien die diplomatischen Beziehungen ab. Das Reiseunternehmen Neckermann nahm 1966 Algerien trotzdem in sein Programm auf und brachte deutsche Touristen in alten französischen Villen und Privathäusern an der Küste unter. Die Enttäuschung war groß: Quartiere, Service und Bedienung entsprachen keineswegs den Erwartungen der durch andere Mittelmeerländer verwöhnten Urlauber.

Daraufhin begann in Algerien in großem Stil der Bau von Hotels, Bungalowdörfern, Touristikzentren und Hotelfachschulen. 1967 versuchten es Scharnow und Touropa erneut, und das Interesse deutscher Urlauber war groß. Doch wegen Israels Sechs-Tage-Krieg im Juli wurden sämtliche Buchungen vorläufig wieder zurückgezogen. Es folgte eine längere Pause, in der nur Kleinveranstalter und Privatreisende Algerien ansteuerten. Die staatliche Hotelgesellschaft „Sonatour“ nutzte diese Pause gut: Anfang dieses Jahres standen 17 000 Betten zur Verfügung, ihre Zahl soll noch in dieser Saison auf 35 000 verdoppelt werden.

Da nun auch die politischen Voraussetzungen für den Algerientourismus günstiger schienen (seit Anfang 1972 gibt es wieder diplomatische Beziehungen), bot Touropa zusammen mit der Nürnberger Transeuropa für 1973 Charterreisen und komplette Arrangements in Algerien an. Da störte ein neuer Zwischenfall den verheißungsvollen Start: Das Attentat auf israelische Sportler bei den Olympischen Spielen in München veranlaßte Touropa, sich wieder aus dem Algeriengeschäft zurückzuziehen. Transeuropa wagte das Unternehmen allein, und nach Auskunft des Geschäftsführers Herbert Hoffmann hat es sich gelohnt. Ursprünglich wollte man in dieser Saison (Mai bis Oktober) etwa 2000 Touristen in zwei Charterketten nach Algerien bringen, diese Buchungszahl ist jetzt bereits erreicht. Das Plänziel stieg auf 3000, zur Zeit spekuliert man bereits, daß etwa 4000 Deutsche in diesem Sommer mit Transeuropa nach Algerien reisen werden.

Heute brauchen die Hotels und Bungalows (drei und vier Sterne) an der Türkisküste, der Küste der Kabylei und in den Oasen mitten in der Wüste den Vergleich mit anderen Urlaubsländern nicht mehr zu scheuen. Schneeweiß vor türkisfarbenem Meer und ockergelbem Strand liegen die 400 (in Kürze 600) Bungalows des „Tipasa Club“, 70 Kilometer westlich von Algier, gebaut nach dem Vorbild arabischer Kasbahs. Groß und weiträumig angelegt die Gemeinschaftsräume, Speisesäle, Freilufttheater und schattigen Bars. Ein paar Kilometer die Küste hinauf, näher dem alten Fischerdorf Tipasa, liegt – ein Beispiel für alle – das (Luxus-) „Hotel de la Baie“ mit Dachterrasse und Swimming-pool. Alle Zimmer, haben Bad und einen Balkon zum Meer: Apartments von solcher Größe, daß europäische Hoteliers mühelos zwei oder drei Zimmer daraus machen, würden.

Ein Beispiel aus dem Transeuropa-Angebot: 14 Tage „Tipasa Club“, Vollpension, Tischwein (herrliche Rose- und Rotweine!) und das unentbehrliche Mineralwasser inklusive ebenso wie die Benutzung sämtlicher vorhandenen Sportanlagen von Segeln, Wasserski und Tauchen bis zu Tennis und anderen Ballspielen für 799 Mark ab Frankfurt (nur die 30 Pferde wollen extra bezahlt werden). Ebenfalls im Preis enthalten ein schneeweißer Bademantel für jeden Gast. Das gleiche Arrangement im „Hotel de la Baie“ ohne Club-Service für 644 Mark. Wer gelegentliche Drinks an der Bar liebt, sollte sich dafür allerdings ein rundes Sümmchen einstecken, denn die sind nicht billig. Die Temperaturen liegen bei frischem Seewind an der Küste um 35 Grad, in der Wüste bis 50 Grad. In den Nächten fällt das Barometer allerdings so stark, daß die Sanddünen morgens manchmal weiß vom Rauhreif sind.

In französischen Restaurants und Grillrooms ist das Essen reichlich und gut, und auch die arabische Küche ist für europäische Gaumen nicht zu ungewohnt, für europäische Mägen durch die verwendeten Fette und Gewürze freilich nicht ungefährlich (empfindliche Urlauber sollten sich daher ausreichend mit Medikamenten eindecken). Nationalgericht ist das Mechoui, über Holzkohlenfeuer am Spieß gebratener Hammel, der unzerteilt auf silbernem Tablett serviert und mit den Fingern verzehrt wird. Die arabischen Begleiter zeigen, wo die besten Stücke sitzen. Dazu ißt man rohe Zwiebeln, Weißbrot und Salat. Neben sehr pikanten Fleisch- oder Gemüsesuppen gibt es das berühmte Couscous, das herzhaft aus Getreide, Gemüse und Fleisch oder süß mit Früchten und Rosinen zubereitet wird. Besondere Delikatessen, vor allem in der Hauptstadt Algier, sind Fische, Krabben und Krebse jeder Art und Größe.