Auch nach dem letzten Überfall der Israelis: In Beirut bleiben die Lichter an

Von Dietrich Strothmann

Beirut im Februar

Die Israelis kamen in der Finsternis. Genau eine Stunde nach Mitternacht landete ihre Spezialtruppe mit Hubschraubern und Raketenbooten an der Küste, nördlich der Hafenstadt Tripoli, 180 Kilometer von der israelischlibanesischen Grenze entfernt. Ziel der nächtlichen Überraschungs-Attacke der Fallschirmjäger Dayans waren sieben Fedajin-Basen am Rande oder im Zentrum der Flüchtlingslager Nahar el Bared (14 000 Palästinenser) und Badawi (7000). Dort soll die radikale Palästina-Organisation „Volksfront“ des ehemaligen Kinderarztes Habbasch ihre Stützpunkte, Trainingscamps und Munitionslager haben. Habbasch war der Mann, der Palästina von den Israelis mittels Flugzeugentführungen befreien wollte und damit den blutigen Bürgerkrieg des Jahres 1970 in Jordanien provoziert hatte.

Wie immer bei ihren Strafaktionen hatten die Israelis auch diesmal minuziös vorausgeplant. Es war der sechste Schlag größeren Stils seit dem Dezember 1968, und auch er lief generalstabsmäßig ab, wie am Schnürchen und genau nach der Uhr. Die bislang am weitesten nach Norden vorgetragene Expedition – zum erstenmal setzten die Angreifer auch ihre vor drei Jahren aus dem französischen Hafen Cherbourg „entführten“ Saar-Schnellboote ein – dauerte exakt zwei Stunden: Eine Stunde benötigten die rund 350 Elitesoldaten, um die Fedajin-Unterkünfte zu sprengen und den minimalen Widerstand der völlig verdutzten Guerillas zu brechen; eine weitere Stunde brauchten sie für den geordneten Rückzug. Um drei Uhr morgens des vergangenen Mittwoch war alles wieder vorbei.

Über 50 Freischärler, so meldete mittags der Kommando-Kommandeur, waren getötet, nur die Lagerbasen der „Volksfront“ zerstört worden. Eigene Verluste: acht verwundete Israelis. Den größten Fang freilich hatten sie sich bei ihrer Nacht-und-Nebel-Aktion entgehen lassen – Georges Habbasch. Er soll sich zur Zeit des Überfalls in Nahar el Bared aufgehalten haben.

So, als wäre nichts geschehen