Augsburg

Das ehrwürdige Zeughaus, 1607 vom berühmten Baumeister Elias Holl vollendet, scheint – ein paar Schritte vom großstädtischen Augsburger Einkaufsbetrieb entfernt – im Dornröschenschlaf vor sich hin zu träumen. Selbst die mit Martinshorn ausfahrenden Feuerwehrautos stören diese Idylle kaum. Ihr Getön ist jedenfalls harmonischer als der Streit und Zank, der sich vor mehr als zehn Jahren um das Baudenkmal der Renaissance entzündete.

Damals hatte der Kaufhauskonzern Horten Interesse für das neben seinem Warenhaus gelegene Bauwerk gezeigt und war beim Oberbürgermeister und Stadtrat auf Gegenliebe gestoßen. Zwar wurde in allen Verhandlungen betont, daß das historische Gebäude selbstverständlich dem Denkmalschutz unterstehe, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege wurde jedoch erst nach der Entscheidung zugezogen.

Der Kaufhauskonzern wollte die Hülle des Holl-Baus erhalten, das Innere jedoch stark verändern und mit Ladenatmosphäre füllen. Der Stadtrat gab dieser Lösung seinen Segen.

Nach diesem Urteilsspruch über das alte Zeughaus ging ein Gewitter nieder: Kunsthistoriker und Kunstfreunde aus aller Welt gaben ihrem Unmut ohne Umschweife Ausdruck. So schrieb zum Beispiel Professor Reinhardt von der Universität Basel mit Blick auf die Michaelsgruppe von Hans Reichle an der Zeughausfassade: „Möge nicht der Untere über den Oberen Meister werden, sondern der Erzengel über den schnöden Mammon siegen!“

Der Erzengel scheint es geschafft zu haben. Zum Gegenangriff ging zunächst die Regierung von Schwaben über. Am 18. März 1966 hieß es: „Die Regierung sieht sich außerstande, den vom Stadtrat am 28. 4. 1965 beschlossenen Vertrag zu genehmigen.“ Gegen diesen Autoritätsakt prozessierte die Stadt Augsburg und verlor.

Seitdem ruht die Zeughausaffäre, ohne endgültig rechtlich geklärt zu sein. Die Stadtväter hoffen, daß sich der Kaufhauskonzern zu einem Kompromiß bereit erklärt.