Bei den chilenischen Wahlen hat sich die regierende Volksfront (Unidad Populär) am vergangenen Sonntag wider Erwarten gut behauptet. Sie errang 43,5 Prozent der 3,6 Millionen abgegebenen gültigen Stimmen; auf die vereinigte Opposition entfielen 54,7 Prozent.

Zur Wahl standen alle 150 Abgeordneten und 25 der 50 Senatoren. Im Unterhaus verfügt die Unidad Popular jetzt über 63 Sitze (vorher: 57; drei kommunistische Abgeordnete hatten allerdings ihre Mandate niedergelegt, um in die Regierung einzutreten); im Oberhaus stellt sie 20 (vorher: 18) Senatoren. Die Opposition hat ihr angestrebtes Ziel verfehlt, in beiden Häusern eine Zwei-Drittel-Mehrheit zu erreichen, mit der sie Präsident Allende des Amtes entheben könnte.

Beide Seiten reklamieren den Sieg für sich. Mit ihrer absoluten Mehrheit kann die Opposition das Sozialisierungs-Programm Allendes immer noch verzögern, aber wegen der starken, in der Verfassung verankerten Stellung des Präsidenten kaum auf die Dauer verhindern. Der linke Flügel der Opposition spricht deswegen schon von einem notwendigen Kompromiß; Allende hat aber keinen Zweifel daran gelassen, daß er seine Politik unverändert fortsetzen will.