Von Dieter E. Zimmer

In seinem satirischen Ostblock-Reisebericht „Beck“ schildert John Updike eine manchem westlichen Schriftsteller geläufige Verlegenheit bei der Rußlandreise: Wie verprasse ich die Rubel, die mir als Honorar für die sowjetischen Ausgaben meiner Bücher ausgehändigt werden? In westliche Währungen umgetauscht werden dürfen sie nicht; sündiger Luxus für die Zeit des Rußlandaufenthalts ist nicht zu haben; der Privatbedarf an Pelzmützen, Kameras und Kaviar ist begrenzt... Updikes Problem wurde offenbar von einem Spezialisten gelöst: einem auf den Nepp westlicher Literaten spezialisierten Sowjetbürger, der sich den Rubelsegen zum Geschenk machen ließ.

Mit dieser besonderen Ost-West-Verlegenheit dürfte es nun bald ein Ende haben. Nicht ganz unerwartet, aber doch unerwartet rasch teilte der sowjetische Außenminister Gromyko der UNESCO brieflich mit, daß die Sowjetunion beschlossen habe, ihren literarischen Import-Export-Geschäften endlich eine geregelte Fasson zu geben: Ab 27. Mai dieses Jahres, wenn der Beschluß rechtskräftig wird, gehört die Sowjetunion zu den Mitgliedstaaten des Welturheberrechtsabkommens (WUA), auch „Genfer Konvention“ genannt.

Genfer, nicht Berner Konvention, wie es immer wieder falsch hieß. Neben vielen bilateralen Abkommen regeln ja zwei große internationale Vertragswerke die zwischenstaatlichen urheberrechtlichen Beziehungen. Das ältere und in seinen Bestimmungen weitergehende ist die Berner Übereinkunft von 1886, der heute etwa fünfzig. Staaten angehören. Ihr Hauptmerkmal ist das sogenannte Inländerprinzip: Ausländer aus jedem Signatarstaat genießen den gleichen Urheberschutz wie einheimische Bürger.

Der Schönheitsfehler der Berner Übereinkunft besteht darin, daß drei der größten Staaten ihr niemals angehört haben: China, die Sowjetunion und die USA.

Um wenigstens die USA (und einige Entwicklungsländer dazu) in eine größere Urheberrechtskonvention zu locken, brachte die UNESCO 1952 das Welturheberrechtsabkommen, eben die Genfer Konvention, zustande. Ihre Schutzbestimmungen sind milder ausgefallen: Die Schutzfrist ist sehr niedrig angesetzt, im wesentlichen Verpflichtet sie die Mitgliedstaaten nur, überhaupt urheberrechtliche Regelungen zu treffen. Heute zählt sie, mit USA und UdSSR, 64 Mitglieder.

Daß nach jahrzehntelangen Sondierungen und Anfragen von Staatschefs wie Schriftstellerdelegationen nun auch die UdSSR ihren Beitritt vollzieht, verdient, als historischer Moment verzeichnet zu werden. Ein Zustand fröhlicher Piraterie findet damit sein Ende. Bisher durften in der UdSSR erschienene Werke in den westlichen Ländern nachgedruckt und übersetzt werden, ohne daß irgend jemand gefragt oder honoriert werden mußte. Umgekehrt war es ebenso: Ausländische Werke wurden übersetzt, ohne daß die Autoren um ihre Zustimmung gebeten oder oft auch nur unterrichtet wurden, Auskünfte über Auflagenhöhe oder gar Abrechnungen gab es nicht, häufig wurden Bücher durch Kürzungen, Bearbeitungen und Kommentare entstellt.